Bayern 2

radioWissen Oskar Maria Graf und Ödön von Horvath

Oskar Maria Graf und Ödön von Horvath | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 03.07.2012
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Oskar Maria Graf
Wir sind Gefangene

Ödön von Horvath
Glaube, Liebe Hoffnung

Das Kalenderblatt
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Oskar Maria Graf - Wir sind Gefangene
von Herbert Becker
Einen "Provinzschriftsteller" nannte sich Oskar Maria Graf voller Selbstironie, und viele halten ihn noch heute für einen Bauern- und Kleinstadtdichter. Doch Carl Zuckmayer, der ihn als einen der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts bezeichnete, kam der Wahrheit sehr viel näher. Graf war Sozialist, Anarchist und Pazifist, vor allem aber war er Antifaschist. Wütend schrieb er gegen jegliches Unrecht an, und als seine Schriften bei den Bücherverbrennungen der Nazis 1933 verschont wurden, forderte er in einem Pamphlet, auch sie "der reinen Flamme des Scheiterhaufens" zu überantworten anstatt sie "in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen" zu lassen. Nach seiner Ausbürgerung aus Deutschland und einer langen Odyssee fand er in New York eine neue Heimat. Noch bei seiner ersten Europareise im Jahr 1958 trug er während einer Lesung im Münchner Cuvilliéstheater seine geliebten Lederhosen – und provozierte damit prompt einen Eklat.

Ödön von Horvath - Glaube, Liebe Hoffnung
von Gabriele Knetsch
Als Ödön von Horváth 1927 in Murnau seinen Antrag stellte, bayerischer Staatsbürger zu werden, wurde er abgelehnt. So blieb dem ungarischen Schriftsteller mit k.-und k.-Vergangenheit nichts anderes übrig, als aus seiner Rast- und Heimatlosigkeit eine Tugend zu machen. Horváth ging zwar gerne in Lederhosen aufs Oktoberfest und liebte das Bauerntheater, der Landsitz seiner Eltern in Murnau wurde für ihn zu einem Fixpunkt in seinem ruhelosen Leben. Doch der ungarische Diplomatensohn blieb ein Weltbürger, der zwischen Budapest, Wien und Berlin pendelte. Den Sohn aus bestem Hause interessierte das Schicksal der kleinen Leute, ihn faszinierte der "Ewige Spießer", so wie er ihn am Stammtisch kennen lernte, aber er ergriff auch immer wieder Partei für die Frauen, Opfer einer patriarchalischen Gesellschaft. Mit "Geschichten aus dem Wiener Wald", "Glaube, Liebe, Hoffnung" oder "Italienische Nacht" wollte er das "neue Volksstück" schaffen, illusionslose Theaterstücke in stilisiertem süddeutschem Dialekt. Horváth demaskierte die Phrasen der Bürger, ihre zweifelhafte Moral, ihr aufstiegshungriges Profitdenken - und ihr politisches Hineinschlittern in den Nationalsozialismus. Gabriele Knetsch porträtiert in ihrem Feature "Glaube, Liebe, Hoffnung – und das Gegenteil" einen Schriftsteller, der sich als Chronist seiner Zeit betrachtet hat.

Redaktion: Petra Herrmann
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