Bayern 2

radioWissen Die Teilungen Polens

Zeitgenössisches Portrait von Katharina der Großen | Bild: picture-alliance/dpa; Montage: BR

Montag, 09.07.2012
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Die Teilungen Polens
Ein Land verschwindet

Katharina die Große
Deutsche Prinzessin auf dem Zarenthron

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Die Teilungen Polens - Ein Land verschwindet
von Julia Mahnke-Devlin
Welch eine erstaunliche Geschichte: Da ist, im Herzen Europas, ein Riesenreich, einer der größten Staaten Europas, eine Adelsrepublik mit jahrhundertealten Traditionen. Und dieser Staat verschwindet dann innerhalb zweier Jahrzehnte von der Landkarte. So geschehen mit Polen, das im späten 18. Jahrhundert Beute seiner angrenzenden Nachbarländer wurde. Preußen, Österreich und Russland nahmen sich in drei Schritten – 1772, 1793 und 1795 die ihnen am nächsten gelegenen "Arrondierungsflächen", als wäre Polen ein großer Kuchen. Und die neuen Herrscher versuchten dann, ihr neues Land in ihrem Sinne zu prägen, ihre neuen Untertanen zu akkulturieren – mit Folgen, die bis heute spürbar sind. Ebenso erstaunlich ist, dass dieser Staat, der mehr als 120 Jahre lang nur in den Herzen und Köpfen der Menschen fortlebte, 1918 wieder erstand. Wie hatte der Philosoph Jean Jacques Rousseau den Polen geraten: "Vielleicht könnt ihr nicht verhindern, dass eure Feinde euch verschlucken. Ihr könnt aber verhindern, dass sie euch verdauen."

Katharina die Große - Deutsche Prinzessin auf dem Zarenthron
von Gabriele Bondy
Ihre Ehe mit dem russischen Thronfolger, Großfürst Peter Fjodorowitsch, später Zar Peter II., hatte Preußenkönig Friedrich II. eingefädelt. Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg kam 1744 14jährig nach Russland und verstand es, sich mit Sprache, Religion und Umgebung des Landes anzufreunden und sich mit der Tyrannei ihrer künftigen Schwiegermutter zu arrangieren. Mit ihrem kindsköpfigen Gatten verband sie lediglich Pflichtgefühl und Gottesfurcht. Durch einen von den Brüdern Orlow organisierten Staatsstreich wurde Zar Peter abgesetzt und Katharina Herrscherin. Ihre angestrebten Reformen im Bereich der Verwaltung, des Strafrechts und der Religionsausübung waren von den Gedanken der Aufklärung geprägt. Doch die Abschaffung der Leibeigenschaft gelang nicht, wohl aber die Ausweitung der Adelsprivilegien. Politische Erfolge – beispielsweise in den Türkenkriegen, aber auch die Einführung der Pockenimpfung – festigten ihren und Russlands Ruhm. Legendär war die Anzahl der Liebhaber und Günstlinge der Zarin, allen voran Graf Grigori Orlow und Fürst Potemkin, die auch als unentbehrliche Berater fungierten. Katharina die Große starb 1796 im Alter von 67 Jahren.

Redaktion: Brigitte Reimer
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