Bayern 2

Zeit für Bayern

Illustration: Alter Bauernhof mit dramatischen Gewitterwolken und zwei Regenschirmen | Bild: colourbox.com; picture-alliance/dpa; Montage: BR

Montag, 09.04.2012
12:05 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Getrennte Ausstrahlung in zwei Regionen
Altbayern/Schwaben
"Mi würgt der Wind"
Das Wetter aus bayerischer Sicht
Von Herbert Becker
Franken
"Hühnchen, Gänschen, Entchen klein"
Hobby-Geflügelzucht als Leidenschaft und Gen-Pool
Von Thomas Kempe

Altbayern/Schwaben
"Ob was kimmt?", fragt sich der Bauer besorgt, wenn ein Gewitter dräut. Und wenn es tatsächlich so aussieht, "als ob was kam", hält er ein Wetterläuten oder ein Wetterschießen oder ein Wetterblasen für angebracht, um "das Weda", also das Unwetter, zu vertreiben. Kommt es dennoch, so zündet er – oder die Oma – eine schwarze Wetterkerze an. Und wenn das Gewitter über dem Schwäbischen tobt, sagt er oder sie dabei: "S Herrgottle zanked".
Die Versuche, das Wetter zu beeinflussen und sich vor seinen schlimmsten Auswirkungen zu schützen, sind mannigfaltig. Unter anderem benutzte man monstranzförmige Wettersegen als Abwehrzauber, pflanzte sich Hauswurz aufs Dach, um Blitzeinschlag zu verhindern, und der Augsburger Joseph Kraus brachte 1794 eine Schrift mit dem Titel heraus: "Gewitterkatechismus. Unterricht über Blitz und Donner und die Art und Weise, wie man bey einem Gewitter sein Leben gegen den Blitz schützen und retten kann."
Insbesondere Bauern hören sich die Wetterberichte genau an – und trauen ihnen dann doch nicht so recht. Eine vor wenigen Jahren in Franken durchgeführte Umfrage ergab, dass sich Landwirte nach wie vor stark an Regeln orientieren, die mythologische Wurzeln haben. Die Regeln lauten: "Laurenzi-Hitzn und Sebasti-Kälten bleiben aus gar wunder selten" oder "Kunigund bringt d Wärm vo unt", etc., und sie gehören ebenso zum Allgemeinwissen, wie dass am 12., 13. und 14. Mai die Eismanner und am 15. Mai die kalte Sophie kommen und dass der Medardus (8. Juni) der Heubrunzer ist.
Das Wetter beeinflusst Siedlungs- und Gebäudeformen, Wirtschaftsweise und Kleidung, und selbstverständlich ist die Wetterabhängigkeit auf dem Land größer als in Städten und reinen Industriegebieten. Aber gerade die Münchner haben immer wieder mit einem sehr bayerischen Wetterphänomen zu kämpfen: dem Föhn. Zwar gewährt er wundervolle Blicke auf die Alpen, doch den Wetterfühligen verursacht er Kopfweh und Konzentrationsmangel. Dann hat es im Sommer eine Prügelhitz und es wird schwejch, mitten im Winter leint es auf; vorbei ist es mit dem Schneeberl, das es kurz vorher nochgschneibt hat, statt dessen schütt s, duscht s bleschst s, beziehungsweise regnet s Schusterbuben. Aber wehe, es kommt der Böhmische, der Eiswind aus dem Osten! Dann herrscht eine bummerische Kälten, so dass jeder gritzgramt. Wie eng das Wetter mit dem Befinden des bayerischen Gemütes zusammenhängt, hat die Dichterin Emerenz Meier in ihrem Gedicht Wödaschwüln zum Ausdruck gebracht:
Mi würgt der Wind, mi druckt der Tag -
Hü, meine Öchsl, hü!
Schwül wirds, es kimmt a Wödaschlag.
Hü, meine Öchsl, hü!
...
Mi würgt der Wind, mi brennt der Tag!
Hott, meine Öchsl, hott!
Und daß mi 's Mensch iatzt nimmer mag? -
Hott, meine Öchsl, hott!
...
Bemerkenswert, dass das Wetter-Gedächtnis alles andere ist als ein Langzeit-Gedächtnis.
Franken
Wer macht sich um 4 Uhr morgens auf den Weg, um Stunden später bei klirrender Kälte zwischen Käfigen mit allerlei Federvieh zu "Lustwandeln"?
Hobbygeflügelzüchter erzählen von ihrer Leidenschaft, der Liebe zum Federvieh und den Zukunftsaussichten des Züchter-Nachwuchses. Rassegeflügelzüchter sind Experten. Und ohne diese leidenschaftlichen Fachmänner und -frauen gäbe es einige seltene Geflügelrassen gar nicht mehr. Denn: Nicht nur Wildtiere sind gefährdet, sondern auch einheimisches Geflügel. Dem ständigen ökonomischen Optimierungsdruck mit gesteigerten Legezahlen und größerer Fleischmenge treten die vielen Hobbyzüchter in den Geflügelzucht-Vereinen entgegen. Sie sorgen dafür, dass selten gewordene Haustierrassen nicht gänzlich von den Höfen verschwinden und sind mit ihren Tieren ein wertvoller "Gen-Pool" für spätere Generationen. Der Taubenmarkttag in Wasserburg am Inn ist ein ganz spezieller Feiertag für Hobbygeflügelzüchter. Noch vor Sonnenaufgang wird gefeilscht und lauthals schreiendes Geflügel wechselt den Besitzer. "A guads Gschäft" und gute Tiere für die Zucht erhoffen sich die Marktteilnehmer. Es geht um Schönheit, Qualität und auch ein bisschen um den Preis. Neben dem erhofften Zuchterfolg spielt dabei natürlich auch eine gewisse Sammelleidenschaft eine Rolle. Vom Sammeln ist es dann nicht mehr weit zum wissenschaftlichen, zoologischen Studium der begehrten Subjekte.
Thomas Kempe legte sich auf die Lauer bei Hühnchen, Gänschen, Entchen und deren Hegern und Pflegern.
Eine Wiederholungssendung von 2009.

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