Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Der Junge Deutsche Film in München

Filmszenen in einem Filmstreifen vor der Silhouette Münchens | Bild: BR, picture-alliance/dpa, BR/Stephen Power, BR/balance-film; Montage: BR

Samstag, 25.02.2012
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Mollywood
Die Entstehung des Jungen Deutschen Films in München
Von Martin Zeyn
Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr

"Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen." So heißt es im Oberhausener Manifest, das fast Münchner Manifest heißen könnte, denn mit Alexander Kluge, Edgar Reitz und Peter Schamoni kamen drei der Unterzeichner von der Isar. Der deutsche Film steckte um 1960 in einer schweren Krise, die Zahl der Kinos und der Produktionen von Spielfilmen sank beständig. Schuld daran war einerseits das aufkommende Fernsehen, andererseits die Machart vieler Produktionen. "Sein mangelnder Bezug zur Wirklichkeit wirkt grotesk", klagte Hans Werner Richter über den deutschen Film mit seinen Förster- und Bergstreifen. 1961 vergab gar die Jury des "Deutschen Filmpreises" keinen ersten Preis, da sie nichts Auszeichnungswürdiges in der gesamten Jahresproduktion erblicken konnte.
Dieser Niedergang ermöglichte eine Hochblüte des Films. Ungewöhnliche Projekte konnten realisiert werden: Rudolf Thomes "Rote Sonne", in der Frauen ihre Liebhaber umbringen, der Film, der Uschi Obermaier endgültig zur Ikone machte; Rainer Werner Fassbinder zeigte, wie moderne Melodramen auszusehen haben; Alexander Kluge erfand den "dokumentarischen Prosa"-Film; wenig später belebte Edgar Reitz den in Agonie liegenden Heimatfilm wieder.
Der Abschied von gestern gelang - und scheiterte doch. Der deutsche Film wurde auf internationalen Festivals gefeiert, ein wirtschaftlicher Erfolg blieb aus. Publikumsrenner wurde die ebenfalls in München entstandene "Schulmädchen-Report"-Reihe. Viele der heute noch bekannten herausragenden Produktionen konnten hingegen nur dank Filmförderung und mutiger Fernsehredakteure realisiert werden.
"Das Schlechteste, was dem Film passieren kann, wäre, ihn in seine eigene Welt zu verbannen", hatten Reitz und Kluge 1965 geschrieben. Und für eine kurze Zeit sah es um 1970 so aus, als stünden dem Jungen Deutschen Film, der auch ein Münchner war, alle Türen offen. Martin Zeyn schildert diese einmalige Aufbruchssituation.

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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