Bayern 2

Bayern - Land und Leute Glückauf im Kohlenpott

Oskar Böhm 1958 als stolzer Bergmann unter Tage | Bild: Oskar Böhm

Sonntag, 21.06.2015
13:30 bis 14:00 Uhr

BAYERN 2

Glückauf im Kohlenpott
Bayerische Bauernburschen als Bergmänner im Ruhrgebiet
Von Claudia Decker
Als Podcast verfügbar

Eigentlich liegt das Ruhrgebiet viel zu weit weg, als dass es irgendetwas mit Bayern zu tun haben könnte. Im 19. Jahrhundert war es das Zentrum der Industrialisierung in Deutschland. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden fast 300 Zechen, aus deren Schächten man die Steinkohle nach oben holte. In Kokereien entstand aus der Kohle Koks, der gebraucht wurde, um Eisen und Stahl zu erzeugen. Es war die Zeit einer rasanten Industrialisierung, die Zeit, als das Revier Arbeitskräfte brauchte. Vor allem Polen verließen damals ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Ruhrgebiet zum Träger des Wirtschaftswunders in Deutschland. Wieder bot das Ruhrgebiet Arbeitsplätze. In Bayern waren Arbeitsplätze Mangelware. Bayern gehörte zu den armen Bundesländern, strukturschwach und bäuerlich geprägt. Von einer florierenden Autoindustrie konnte noch keine Rede sein, die entstand erst in den späten 60er-Jahren. Seit 1950 gehörte Bayern zu den Nehmerländern im Länderfinanzausgleich. Was längst vergessen ist: In den 50er-Jahren verließen viele junge Männer vor allem aus der Oberpfalz und aus Niederbayern ihre Heimat, um im Gebiet zwischen Ruhr und Emscher Arbeit und ein besseres Leben zu suchen. Männer, die bis dahin nur die Arbeit auf dem Bauernhof kannten, vertauschten Aussaatwanne und Egge mit schweren Maschinen unter Tage. In Städten wie Herne, Hamm, Bottrop, Sprockhövel, Gelsenkirchen und Bochum bauten sie sich eine Existenz auf, Seite an Seite mit türkischen und italienischen Einwanderern. Einige blieben für immer im Ruhrrevier, andere kamen wieder zurück. Claudia Decker hat sich im Kohlenpott und in Bayern auf die Spuren der „bayerischen Fremdarbeiter“ begeben. Heutzutage würde man sie vielleicht auch Wirtschaftsflüchtlinge nennen…