Bayern 2

radioTexte - Das offene Buch Mathias Énard, die Provinz und die Totengräber

Schriftsteller Mathias Enard im Foyer des Bayerischen Rundfunks | Bild: Cornelia Zetzsche

Sonntag, 18.07.2021
12:30 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Bislang schrieb Prix-Goncourt-Preisträger Mathias Énard vor allem über ferne Gegenden und die Beziehung von Orient und Okzident. Sein neuer Roman "Das Jahresbankett der Totengräber" führt nun zurück in den Ort seiner Herkunft im Nordwesten Frankreichs und tief in die Geschichte einer Region. Lesung: Steffen Höld. Cornelia Zetzsche im Gespräch mit Mathias Énard.

Ein junger Pariser Anthropologe träumt von einer akademischen Karriere und wird Bauer. Ein Pfarrer stirbt und treibt als Wildschwein sein Unwesen. Und die Totengräber feiern das Leben auf ihrem Jahresbankett. Nichts ist, wie es scheint im Dorf La Pierre-Saint-Christophe im Deux-Sèvre, in der Region Nouvelle-Aquitaine, im Nordwesten Frankreichs unweit von La Rochelle, flaches Land, Getreidefelder, viel Sumpf und weitverzweigte Wasserwege. Diesen Ort hat sich David Mason ausgesucht, um seine akademische Karriere zu befördern, mit Feldstudien zu den Dorfbewohnern. Und jeder hat's in sich in diesem Provinz-Szenario mit Öko-Kämpferin, Künstler, Bürgermeister und Wirt und all den anderen.

In die Romanmitte platziert Mathias Énard das Jahresbankett der Totengräber und hebt ab zu einem aberwitzigen Exkurs in die Kulturgeschichte der Region, der zum turbulenten Wimmelbild gerät, Reinkarnation und Seelenwanderung, Gemetzel und Philosophie inbegriffen. Mathias Énards "Jahresbankett der Totengräber" ist ein Heimatroman der anderen Art und eine Wunderkammer voller Figuren, Ideen, und Kapriolen, feinster Ironie und groteskem Witz.

Es liest: Steffen Höld, Residenztheater München
Moderation, Regie, Redaktion: Cornelia Zetzsche

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags können wir die Sendung bis 15. August 2021 als kostenlosen Podcast anbieten