Bayern 2

radioTexte - Das offene Buch Ulrike Draesner: "Schwitters" (2/2)

Sonntag, 22.11.2020
12:30 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Ulrike Draesners lässt in ihrem furiosen neuen, poetischen Roman Kurt Schwitters, den Dada-Dichter, Maler, Grafiker und Raumkünstler neu entdecken und gewann damit den Bayerischen Buchpreis 2020
Lesung: Axel Milberg
Cornelia Zetzsche im Gespräch mit Ulrike Draesner

Nach der Sendung als kostenloser Podcast unter bayern2.de/lesungen verfügbar

Er ist berühmt für das Wortgewitter seiner "Ursonate und seine "Merz"-Bauten, höhlenartige, begehbare Skulpturen, Labyrinthe aus Erinnerungsstücken, Fluchtpunkte eines Künstlerlebens, oft zerstört, immer wieder aufgebaut von Kurt Schwitters, dem Dichter, Bildenden Künstler, Werbegrafiker und Mitinitiator von "Dada Hannover"; dem SPD-Mitglied, Verfemten, Exilanten, der 1887 in Hannover geboren wurde und 1948 in England starb. Ein Womenizer, ein höchst produktives Multitalent und einer der einflußreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts zwischen Deutschland, Norwegen und England.

Ulrike Draesners poetisch erzählerischer Triptychon sieht vor allem den Menschen und Künstler Kurt Schwitters: "Das deutsche Leben" mit seiner ersten Frau Helma im Hannoveraner Elternhaus in der Waldhausenstraße 5; "Das englische Leben" und den von den Nationalsozialisten vertriebenen, entwurzelten, seiner Sprache beraubten Exilanten, der als Schriftsteller seine Schaffenskraft verlor; "Das Nachleben" mit all den Erbstreitigkeiten zwischen der zweiten Lebensgefährtin Edith Thomas und seinem Sohn Ernst aus erster Ehe. Ulrike Draesners neuer Roman ist fulminantes Stück Biofiktion, eine Hommage an den Künstler als Exilanten, ein Feuerwerk der Sprache.

Ulrike Draesner, die Münchnerin in Berlin, Lyrikerin, Erzählerin, Übersetzerin und Leiterin des Leipziger Literaturinstituts, ist eine Sprachspielerin. Sie hat viel recherchiert, vor allem aber findet sie für den Ausnahmekünstler Schwitters, den Exilanten mit erzwungenem Sprachverlust, eine neue erfindungsreiche Sprache. Am 19. November 2020 gewann sie damit den Bayerischen Buchpreis für Belletristik.

Axel Milbergs erste Lesung beginnt im Sommer 1936, kurz vor Schwitters' Flucht nach Norwegen. Teil zwei wirft einen Blick auf die Zeit in Ambleside, im nordenglischen Lake District, ein zurückgezogenes Leben mit und zwischen zwei Sprachen.

Lesung: Axel Milberg
Regie: Eva Demmelhuber
Im Gespräch: Ulrike Draesner
Moderation und Redaktion: Cornelia Zetzsche