Bayern 2

radioWissen am Nachmittag München und Bayern um 1900

Gemälde vom Münchner Marienplatz um das Jahr 1900 | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 06.07.2020
15:05 bis 16:00 Uhr

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BAYERN 2

München um 1900
Reich und arm

Mythos Prinzregentenzeit
Die letzten schönen Jahre?

Das Kalenderblatt
6.7.2000
FIFA entscheidet: Die WM 2006 findet in Deutschland statt
Von Susi Weichselbaumer
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

München um 1900 - Reich und arm
Autor: Michael Kubitza/ Regie: Christiane Klenz
Jahrhundertwende im leuchtenden München - Boomstadt der Künste, des Fremdenverkehrs, des Bieres. Die Stadt wächst rasant - in den sechs Jahrzehnten vor dem Weltkrieg versechsfacht sich die Einwohnerzahl. Auch die Bäuche vieler Bürger gedeihen. Kaum sonstwo gibt es auf engem Raum so viele Beamte, Bankiers, Privatiers. Bierbarone zählen zu den reichsten Bürgern, auch die Brauereiarbeiter verdienen gut in der bierdurstigsten Stadt des Reiches. Doch es gibt auch die anderen - die, die den Großteil des Biers trinken, um Kalorien anzusammeln und dabei ihre Lage zu vergessen. Die meisten Münchner sind vor Wochen oder Jahrzehnten aus ärmeren Teilen Bayerns zugezogen, viele stehen jetzt als Tagelöhner auf dem Marienplatz nach Zwei-Mark-Jobs auf dem Bau an oder arbeiten mobil als Maronimann, Hundsscherer und Schirmflickerin. Denn obwohl Bayern das zweitniedrigste Pro-Kopf-Einkommen im Reich hat, zählt München längst zu den teuersten Städten. Das Bier verbindet die Klassen - sonst nicht viel. radioWissen zeigt, wo die einen und die anderen wohnen, was sie essen, wovon sie träumen.

Mythos Prinzregentenzeit - Die letzten schönen Jahre?
Autor: Michael Zametzer / Regie: Eva Demmelhuber
"Es war eine Liebe Zeit, die gute alte Zeit vor Anno 1914." Die populären Worte aus dem "Königlich bayerischen Amtsgericht" drücken aus, wie das kollektive Bayern die sogenannte Prinzregentenzeit in seinem Gedächtnis abgespeichert hat - bis heute: als Epoche des Friedens, des Wohlstandes und Fortschritts. Die Eisenbahnen stampfen durch das Land, in dessen Mittelpunkt "München leuchtet". An der Spitze regiert ein sanftmütiger Luitpold mit Rauschebart, der am liebsten in der "schiachen Joppen" auf die Jagd geht - und Zigarren verschenkt. Gerade nach dem traumatischen Erlebnis des Ersten Weltkrieges musste diese Epoche von 1886 bis 1912 fast unweigerlich zur "guten alten Zeit" verklärt werden. Was aber ist mit den enormen Kräften, die von Industrialisierung, Landflucht und einer erwachenden Arbeiterbewegung ausgehen? In den Großstädten verdichten sich soziale Not und mangelnde Reformbereitschaft zu einem explosiven Gemisch. Außerhalb Münchens, besonders nördlich der Donau, herrscht oft bittere Armut. Kleinbauern und Taglöhner kämpfen täglich um Brennholz und Nahrung. Wie viel Wahrheit steckt wirklich im Mythos Prinzregentenzeit?

Moderation: Thies Marsen
Redaktion: Thomas Morawetz

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