Bayern 2

radioTexte - Das offene Buch Georges-Arthur Goldschmidt: "Vom Nachexil"

Georges-Arthur Goldschmidt | Bild: picture-alliance/dpa

Sonntag, 02.02.2020
12:30 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Mit 91 Jahren erzählt Georges-Arthur Goldschmidt, der große Sprachphilosoph, Schriftsteller und Meister der Autofiktion, noch einmal vom Leben seines Alter Ego Arthur Kellerlicht, der als jüdischer Junge aus Hamburg in den französischen Alpen Zuflucht fand
Lesung: Götz Schulte. Cornelia Zetzsche im Gespräch mit Georges-Arthur Goldschmidt

"Wer einmal ins Exil getrieben wurde, kommt lebenslang nicht mehr davon ab."

So beginnt Georges-Arthur Goldschmidt sein neues Buch "Vom Nachexil", erinnert sich an die Kindheit als blonder, protestantischer Junge in der gelben Villa in Reinbek bei Hamburg, der als Zehnjähriger, mit dem Bruder, über München und Florenz nach Frankreich flüchtet und in einem Internat und bei Bauern in den Hochsavoyen in einem katholischen Internat und bei mutigen Bauern überlebt, im Versteck, voller Angst, wissend, das Heimweh ist eine gefährliche, weil tödliche Krankheit.

Das Exil sei ein Augenblick, der den Exilanten ein Leben lang begleite, schreibt er, erfindet sein Alter Ego Arthur Kellerlicht und schildert die Intensität der Trennung und seinen "Augenblick" am 18. Mai 1938, als er mit dem Bruder im Zug nach Florenz sitzt und seine Eltern zum letzten Mal sieht. Die Mutter stirbt früh, der Vater überlebt das KZ Theresienstadt, Jürgen-Arthur alias Georges-Arthur, beginnt ein neues Leben in Frankreich als Lehrer, Schriftsteller, Kafka-Kenner und Sprachphilosoph. Trotz aller Erfolge, trotz seines glücklichen Familienlebens, die Verzweiflung und das Heimweh bleiben, auch nach 80 Jahren. Beeindruckend, mit welcher Klugheit, Lebendigkeit und Bescheidenheit Georges-Arthur Goldschmidt schreibt, nachdenkt und spricht. Ein Sprach- und Überlebenskünstler.

Lesung: Götz Schulte
Moderation, Regie und Redaktion: Cornelia Zetzsche

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