Bayern 2

Bayerisches Feuilleton 70 Jahre "Land und Leute"

Samstag, 28.12.2019
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Originale und Originelles
70 Jahre "Land und Leute"
Von Carola Zinner
Als Podcast verfügbar

Ob Salondame, namhafter Historiker oder selbstbewusstes Original: in der Sendereihe "Land und Leute" hatten sie alle ihren Auftritt. Wie etwa der Schindlersepp aus Seeshaupt, der 1956 dem Reporter erzählte, dass er als Bub einmal einen ganzen Schultag mit einem zappelnden Hecht unter der Joppe verbrachte. Oder ein Zeitgenosse des Prinzregenten, der sich pikiert an den langen Fingernagel des Landesfürsten erinnerte, den dieser zum Abzwicken seiner geliebten Zigarren benutzte. Ab der ersten Sendung im März 1949 machte die Reihe - heute eine der ältesten des Bayerischen Rundfunks - Bayern zum Schauplatz der besten Geschichten dieser Welt. Denn das sind bekanntlich die, die das Leben selbst geschrieben hat. Und ihnen waren die Redakteure, Autoren und Reporter von "Land und Leute" stets auf der Spur.

Zu den Mitarbeitern zählten und zählen renommierte Geisteswissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten, darunter Carl Amery, Josef Maria Bauer, Joseph Berlinger, Karl Bosl, Ulrich Chaussy, Harald Grill, Georg Lohmeier, Elfie Pertramer, Friedrich Prinz, Carl-Ludwig Reichert, Bernhard Setzwein und und und. Was sie alle eint, ist der besondere Blick auf ein Bayern jenseits der Klischees. Viele der Recherchen und Beiträge sind in volkskundlicher und kulturhistorischer Hinsicht so bedeutsam, dass die Sendemanuskripte in den Archiven der Bayerischen Staatsbibliothek und der Monacensia aufbewahrt werden. Somit stehen sie nicht nur im Historischen Archiv des BR, sondern auch anderorts für Forschungen aller Art zur Verfügung. Auch im Schallarchiv des BR nehmen die "Land und Leute"-Sendungen eine besondere Stellung ein: als tönende Zeitdokumente für das kollektive Gedächtnis Bayerns.

Aus Anlass des diesjährigen Doppeljubiläums "70 Jahre BR" und 70 Jahre "Land und Leute" wiederholen wir zum Jahresende ein Hörstück der besonderen Art, das im März erstausgestrahlt wurde: Carola Zinner macht sich auf die Suche nach Stimmen und Klängen aus vergangenen Zeiten. Unter Anleitung von Kennern der Materie taucht sie dafür tief ein in das Archiv des Münchner Funkhauses.

BR 2019

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.