Bayern 2

IQ - Wissenschaft und Forschung Faszination Mittelalter

Donnerstag, 28.11.2019
18:05 bis 18:30 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Faszination Mittelalter
Tausche Smartphone gegen Holzlöffel
Von Michael Zametzer
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Ob Mittelaltermarkt, Ritterturnierspektakel oder historische Romane - das Mittelalter ist populärer denn je. Es ist ein Sehnsuchtsraum. Es erlaubt die Flucht vor einer komplexen, globalisierten Gegenwart, frei nach dem Motto: „Tausche Smartphone gegen Holzlöffel, Cheesburger gegen Hirsebrei“. Das einfache Leben des idealisierten mittelalterlichen Alltags, gewürzt mit ein bisschen Fantasy, ist der Urlaub vom cleanen 21. Jahrhundert. Doch die wissenschaftliche Arbeit am Mittelalter geschieht von der Öffentlichkeit weitgehend unbeobachtet. Mediävistik gilt als elitär und verstaubt. Die Editions- und Übersetzungsarbeit mittelalterlicher Handschriften und Urkunden begeistert die Massen wenig, und der Zunft der Mediävisten selbst scheint auch nicht allzu viel daran zu liegen, das zu ändern. Sie fürchten die Gefahr einer Banalisierung ihrer Arbeit. Dabei hat die Mediävistik auch in der digitalen Moderne wichtige Aufgaben. Zum Beispiel, wenn es darum geht, mit gängigen Klischees aufzuräumen - etwa mit dem Schlagwort vom „finsteren Mittelalter“. Mittlerweile haben sich dazu auch Historiker und Naturwissenschaftler zusammengetan, etwa auf dem Feld der experimentellen Archäologie: Im Geschichtspark Bärnau in der Oberpfalz, einem deutsch-tschechischen Gemeinschaftsprojekt, bauen Archäologen gemeinsam mit Handwerkern Siedlungen des Früh-und Hochmittelalters nach - die dann von Mittelalterbegeisterten „experimentell“ bewohnt werden. Mittelalterforschung kann aber auch eine demokratische Aufgabe haben: In jüngster Zeit „kaperen“ vor allem Nationalisten und Rechtsextreme immer wieder historische Figuren und Ereignisse, um sie für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen.

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