Bayern 2

radioTexte - Das offene Buch Mircea Cărtărescu: „Solenoid“

Mircea Cartarescu | Bild: picture-alliance/dpa

Sonntag, 10.11.2019
12:30 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Ein junger Lehrer in einer Vorstadt von Bukarest. Eine Magnetspule mit magischen Kräften. Und ein Roman wie in Trance. „Solenoid“, der neue 900-Seiten-Roman von Rumäniens preisgekröntem Meistererzähler Mircea Cărtărescu oszilliert zwischen Wirklichkeit und Traum. Atemraubend. Lesung mit Martin Feifel. Cornelia Zetzsche im Gespräch mit Mircea Cărtărescu, der auf dem Literaturfest München erwartet wird.

Mircea Cărtărescu, der rumänische Proust, der Joyce aus Bukarest, erinnert in seinem neuen überwältigenden Roman an die Diktatur: Ein namenloser Ich-Erzähler schreibt, im Schatten seines Autors und buchstabiert sein Leben: als kränkelndes Arbeiterkind, als verhöhnter junger Dichter; als Lehrer gestrandet in der Allgemeinschule Nr.86, an der armseligen Peripherie von Bukarest. Als Außenseiter lebt er allein, heimgesucht von Albträumen, in einem schiffsartigen Haus, imaginiert „Milliarden möglicher Ichs“, liest und schreibt sich mit seinem Tagebuch aus dem „bedrückenden Gefängnis“ des Alltags in eine irreale Realität; angetrieben von einem Solenoiden, einer Magnetspule mit magischen Kräften, die alles schweben lässt. Schauspieler Martin Feifel liest ein berührendes Porträt des Romans, die Szene mit dem Werklehrer, einem Roma, einem „Zigeuners“, wie es heißt, der einen goldenen Ring gestohlen haben soll. Und Mircea Cărtărescu spricht von der Lage der Roma, vom Schreiben und vom Schmerz als Basis der Erkenntnis.

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