Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Ludwig II. und seine Gläubiger

Sonntag, 08.09.2019
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Bauherren Lust - Handwerker Frust
Ludwig II. und seine Gläubiger
Von Marita Krauss

Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Als Ludwig II. im Juni 1886 im Starnberger See ertrank, hatte er, jenseits der bereits aufgenommenen umfänglichen Darlehen, über 5,2 Millionen Goldmark offene Schulden bei Handwerkern und Künstlern. Das nach seinem Tod erstellte Gläubigerverzeichnis liest sich wie ein "Who is Who" der vom König geförderten, von ihm aber auch bis über alle Grenzen strapazierten Handwerkerschaft. 124 Positionen umfasst diese Liste, ein Dokument königlicher Gestaltungslust wie königlicher Maßlosigkeit.

Die erfolgreiche Arbeit der Handwerker, die ihren König über alles liebten, war oft die einzige Freude Ludwigs II. in seinen letzten Jahren. Jedes Schränkchen, jeder Leuchter, jeder Betstuhl und jeder Türbeschlag interessierten ihn im Detail. Über seine Bauleiter vor Ort, die an die jeweiligen Hofsekretäre schrieben, ließ sich Ludwig oft täglich über den Stand der Arbeiten in Neuschwanstein und den anderen Schlössern unterrichten, ungeduldig drängte er auf deren Fertigstellung und erhöhte immer wieder das Bautempo. Bezahlen konnte er das schon längst nicht mehr: Bereits im April 1884 wagten es 19 Betroffene, nach jahrelangem Warten "allerunterthänigst" eine Eingabe an den König zu senden, die man als Vorbote einer Zivilklage deuten konnte. Dies schreckte den König auf. Finanzminister Emil von Riedel beschaffte tatsächlich noch einmal 7,5 Millionen Mark, mit denen etliche Handwerker bezahlt wurden. Doch das Geld war schnell dahingeschmolzen. Nach Ludwigs Tod beglich das Königshaus schnell und geräuschlos die Rechnungen, die Hälfte davon mit einem Kredit der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. Über Jahre belastete die Abzahlung dieser Schulden die Hofkasse.

Marita Krauss folgt den Spuren einer königlichen Gläubigerliste, erzählt von Kopieraufträgen für Möbel aus Versailles, von verzweifelten Hofsekretären und trotz offener Rechnungen begeisterten Bauleuten. - Wiederholung einer Produktion aus dem Jahr 2008 zum 150. Jahrestag der Grundsteinlegung von Schloss Neuschwanstein am 5. September 2019.

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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