Bayern 2

BAYERN 2-SOMMERRADIO Bayerisches Feuilleton Zum 50. Todestag von Erika Mann am 27. August

Klaus und Erika Mann (ca. 1930) | Bild: picture-alliance/dpa/Copyright © CSU Archives/Everett Collection

Samstag, 24.08.2019
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Sommerradio-Reihe "Bavariamerica"
Escape to Life
Erika und Klaus Mann im amerikanischen Exil
Von Lisbeth Exner

Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr, Bayern 2
7 Tage als Streaming verfügbar

Im Oktober 1927 brachen Erika und Klaus Mann zu einer Weltreise auf. Fast komödiantisch-marktschreierisch präsentierten sie sich in den USA, der ersten Station, als "The Literary Mann Twins". Da sie die Lieblinge der kulturellen Prominenz waren, konnten sie ihren Amerika-Aufenthalt auf Pump finanzieren; sie hielten aber auch Vorträge und schrieben Artikel. Erika Mann, die nie Schriftstellerin hatte werden wollen, sollte auch nach dieser Abenteuerreise, die sie über den Pazifik durch China und die Sowjetunion zurück nach Berlin führte, ihre journalistische Arbeit fortsetzen. 1929 publizierte sie gemeinsam mit Klaus "Rundherum. Ein heiteres Reisebuch".

Die Familie Mann verließ Anfang 1933 Deutschland. Klaus wurde in Amsterdam, Paris und Prag zu einer zentralen Figur der antifaschistischen Publizistik. Erika hatte mit der "Pfeffermühle" in vielen europäischen Ländern Erfolg; 1936 versuchte sie, dieses hitlerkritische Kabarett auch in den USA zu etablieren - und scheiterte. Wenig später startete sie in ihrer neuen Heimat eine andere Karriere: Sie bereiste als - selbstverständlich auf Englisch die Situation im Dritten Reich erörternde - Vortragende das ganze Land. Mit Klaus, der im Herbst 1938 in die USA übersiedelte, schrieb sie im Auftrag eines Bostoner Verlags unter dem Titel "Escape to Life" eine Art anekdotisches "Who's who" der Emigration, 1940 folgte der gemeinsame Band "The Other Germany". In den folgenden Jahren zählte Klaus Mann zu den wenigen deutschen Schriftstellern, denen der Wechsel in die fremde englische Sprache gelang. Nach nur mäßigen literarischen und essayistischen Erfolgen meldete er sich 1942 freiwillig zur Armee und begleitete als Reporter von "Stars and Stripes" den amerikanischen Truppenvormarsch in Italien.

Lisbeth Exner zeigt die drei Gesichter Amerikas, die Erika und Klaus Mann kennen lernten: die von europäischen Emigranten wie Ernst Lubitsch oder Greta Garbo geprägte Bohèmeszene der späten zwanziger Jahre, das nur unter bestimmten Bedingungen offene, aber einzig sicher scheinende Gastland für zahlreiche Flüchtlinge der dreißiger und vierziger Jahre und schließlich die von Kommunistenangst geprägte Nachkriegsgesellschaft. Auf das Staunen der Weltreisenden folgten politisches Engagement und kulturelle Assimilierung der Exilierten; mit dem Kalten Krieg setzte eine ernüchterte Distanzierung ein.

(BR 2004)

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