Bayern 2

radioWissen Wo Widerstand wichtig ist

Darstellung: Theodor Lessing | Bild: picture-alliance/dpa

Mittwoch, 14.08.2019
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Das Recht auf Widerstand
Wer sich nicht wehrt

Theodor Lessing
Rebellion als Lebensphilosophie

Das Kalenderblatt
14.8.1851
Doc Holliday geboren
Von Frank Halbach
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Das Recht auf Widerstand - Wer sich nicht wehrt
Autorin: Claudia Heissenberg / Christiane Klenz
'Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt' lautet ein alter Sponti-Spruch, den sich heute Bürger jeglicher politischer Couleur gerne auf die Fahnen schreiben. Egal ob reich oder arm, links oder rechts - wehren kann man sich gegen alles und jeden. Im Großen oder Kleinen, mit Worten, Verweigerung oder Protest, vor Gericht oder mit Gewalt. In der Philosophie wird das Recht auf Widerstand seit der Antike diskutiert. Für Aristoteles war Auflehnung immer dann gerechtfertigt, wenn maßlose Herrscher nur ihre eigenen Interessen verfolgen. 'Wenn ein Fürst, weit davon entfernt, seine Untertanen glücklich leben zu lassen, sie unterdrücken und vernichten will, so endet die Grundlage des Gehorsams', meinte auch der französische Philosoph der Aufklärung Montesquieu. In Deutschland ist das Recht auf Widerstand seit 1968 sogar im Grundgesetz verankert. Es soll die Ordnung in unserem demokratischen und sozialen Rechtsstaat schützen. Aber wann und warum, wogegen und wie sollte man sich wehren? Und ist es nicht manchmal besser still zu sein?

Theodor Lessing - Rebellion als Lebensphilosophie
Autor: Michael Reitz / Regie: Irene Schuck
Der Philosoph und Publizist Theodor Lessing (1872-1933) war einer der umstrittensten Denker zur Kaiserzeit und Weimarer Republik. Als junger Mann in München, griff er 1895 in die Debatte um den Skandalautor Oskar Panizza ein, provozierte die etablierte Literaturkritik und sogar Thomas Mann. Jüdischer Herkunft, trat Lessing für die Frauenemanzipation ein, war Reformpädagoge und gründete 1921 die erste deutsche Volkshochschule in Hannover. Seine Philosophie war kulturpessimistisch, sein politisches Engagement ebenso gefürchtet wie für ihn - bis hin zu körperlichen Angriffen - gefährlich: Er verscherzte sich nicht nur die Sympathien der deutschen Juden, indem er sie heftig attackierte, sondern wurde auch früh zur Zielscheibe der Nationalsozialisten. Nach Hitlers Machtergreifung setzte Goebbels persönlich eine Prämie für die Beseitigung Lessings aus. Im August 1933 wurde der Philosoph und Rebell Theodor Lessing im tschechischen Marienbad ermordet.

Moderation: Gabriele Gerlach
Redaktion: Bernhard Kastner

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