Bayern 2

Nachtstudio Susan Sontag und der Essay

Susan Sontag in Prag 2000 | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 02.07.2019
20:05 bis 21:00 Uhr

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BAYERN 2

"Ich bin keine Intellektuelle!"
Von Harry Lachner
BR 2014
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Ihre Texte gehören zur intellektuellen Grundausstattung einer ganzen Generation: Die 1933 in New York geborene Susan Sontag schuf eine Brücke zwischen querer und etablierter Kultur, zwischen europäischer Avantgarde und US-amerikanischer Popkultur. "Über Fotografie", "Im Zeichen des Saturns“ oder "Krankheit als Metapher“, so lauten einige der berühmten Essays von Susan Sontag. Trotzdem behauptete sie zwei Jahre vor ihrem Tod: "Ich bin keine Intellektuelle!" Für sie, die die ästhetischen und politischen Debatten in den USA so entscheidend geprägt hatte, standen ihre literarischen Werke im Zentrum. Vielleicht aber war diese provokante Zurückweisung des Begriffs "Intellektuelle" nur eine Volte? Ein weiterer Versuch, feste Kategorien und Positionen - und damit auch die eigenen - zu entmystifizieren?

Ihr Scharfsinn konnte sich an kulturellen, sozialen und ästhetischen Erscheinungsformen entzünden: an Literatur, Kunst, Film, Photographie oder Politik. Ihr eigenes Schreiben bewertete sie höchst widersprüchlich, mal sah sie sich als große Autorin, mal wurde sie von Selbstzweifel heimgesucht. Doch vielleicht war es gerade diese Zerrissenheit, die sich in den Tagebüchern immer wieder findet, die es ihr erlaubte, selbst ihre eigene Position in Frage zu stellen. Eines aber hatten all ihre Essays gemeinsam: Sie schrieb gegen ideologische Verfestigungen und ästhetische Interpretationen, die nur dem Erhalt von etablierten Machtpositionen dienten. Sie wollte neue Sichtweisen ermöglichen.