Bayern 2

Hörspiel Karl Bruckmaier: "Dann aber wird ein Dichter an ihm verloren ..."

Porträtaufnahme des Schriftstellers Jakob van Hoddis (eigentlich  Hans Davidsohn) um 1911 | Bild: picture-alliance/akg-images

Sonntag, 12.05.2019
15:05 bis 16:00 Uhr

BAYERN 2

"Dann aber wird ein Dichter an ihm verloren gegangen sein"
Mutmaßungen über Jakob van Hoddis
Von Karl Bruckmaier
Mit Alexander Scheer
Realisation: Karl Bruckmaier
BR 2002
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool
Wiederholung am Montag, 20.05 Uhr

Im Sommer 1933 widerfährt der Schriftstellerin und Kabarettistin Emmy Hennings ein ziemlicher Schock: Der Dichter Jakob van Hoddis ist auf dem Weg zu ihr ins Tessin. Er sei bereits in Zürich: "Ja was meinst du wohl. Er ist aus dem Irrenhaus ausgebrochen.“ Das kann nicht sein. Jakob van Hoddis ist Hans Davidsohn und seit fast zwei Jahrzehnten psychisch krank, seit fast zehn Jahren verschließt er sich vor der Welt und die Welt schließt ihn fort. "Patient ist unverändert stumpf und indolent.“ Er spricht nicht. Er raucht und spielt Schach. "Ungebessert.“ Er grüßt Ameisen und Schmetterlinge. "Völlig unverändert.“ Wir wissen: 1942 wird Hans Davidsohn von Nazi-Schergen nach Polen verschleppt und vermutlich im Konzentrationslager Sobibor ermordet.
Und doch: War nicht der Schöpfer von "Weltende" ein notorischer Ausbrecher? Lassen wir ihn 1933 im Tessin ankommen. Arme Emmy Hennings: "Ich hätte kein Dauerbad, hab’ ich gesagt, und ich könnte mich selbst kaum mit Ach und Krach über Wasser halten. “Verweigern wir den Glauben an ein Leben in seelischem Elend und an ein Ende von Verbrecherhand.

Karl Bruckmaier, geboren 1956 in Pfarrkirchen. DJ, Journalist und Hörspielautor und -regisseur. BR-Hörspiele unter anderem "Chronik der Gefühle" (von Alexander Kluge, 2009), "Abschied von den Eltern" (von Peter Weiss, 2013), "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" (von Laurence Sterne, 2015), "Am Königsweg" (von Elfriede Jelinek, 2017), "Licht im Kasten" (von Elfriede Jelinek, 2017).