Bayern 2

Bayern - Land und Leute Der Auswanderer Christian Barthelmess

Alte Atelierkameras | Bild: Siepmann/imageBROKER/Süddeutsche Zeitung Photo

Donnerstag, 01.01.2015
13:30 bis 14:00 Uhr

BAYERN 2

Fotoreporter im Wilden Westen
Der fränkische Auswanderer Christian Barthelmess
Von Ulrich Zwack
Als Podcast verfügbar

Christian Barthelmess stammte aus dem mainfränkischen Städtchen Klingenberg und hätte in der Heimat seine vielseitigen Begabungen vermutlich nie recht entfalten können. Aber weil es das Schicksal gut mit ihm meinte, schickten ihm nach Amerika ausgewanderte Verwandte 1867 das Geld für die Schiffspassage. So konnte der damals gerade mal dreizehn Jahre alte Barthelmess sein Glück in der Neuen Welt suchen - und er hat es in der Armee dort auch prompt gefunden. Nicht als großer Krieger, aber als angesehener Militärmusiker und noch angesehenerer Fotograf.
Am liebsten fotografierte er Indianer. Also Mitmenschen, die viele Weiße damals vor allem als lebende Zielscheiben betrachteten. Das war schon für sich allein betrachtet ziemlich sensationell. Noch sensationeller war freilich , dass Barthelmess die Indianer nicht im Studio, sondern in der freien Natur fotografierte. Dadurch erwarb er sich ein konkurrenzloses fotografisches Freilicht-know-how. Kein Wunder, dass er zum offiziellen Bildchronisten der geografisch-topografischen Grand-Canyon-Expedition von 1887/88 befördert wurde. Lange konnte er sich seiner Erfolge freilich nicht erfreuen: Einen Tag vor seinem 52. Geburtstag verunglückte er tödlich.
Ulrich Zwack schildert das Leben eines fränkischen Foto- und Ethnografen, den seine indianischen Models respektvoll „Schattenfänger“ nannten.