Bayern 2

Zeit für Bayern Akustische Reisen durch Bayerns Regionen

Samstag, 23.02.2019
21:05 bis 22:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Training fürs Hirn
Rhetorik- und Debattierclubs als intellektuelle Fitnessstudios
Von Carlo Schindhelm

Asche auf des Gegners Haupt!
100 Jahre Politischer Aschermittwoch in Bayern
Von Thomas Grasberger

Wiederholung von 12.05 Uhr, Bayern 2
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Training fürs Hirn
Rhetorik- und Debattierclubs als intellektuelle Fitnessstudios
Wiederholung vom 16.07.2017
Von Carlo Schindhelm

In Zeiten, in denen viel über Populismus geredet wird, wächst bei den Menschen offenbar die Sehnsucht nach Schlagfertigkeit. Frauen und Männer egal welchen Alters treffen sich in Rhetorik- und Debattierclubs, um nach Feierabend an ihrer Redekompetenz zu feilen. Die sogenannten "Toastmastersclubs" etwa, die ihren Ursprung in den USA haben, gibt es immer häufiger bei uns - zunehmend auch in deutscher Sprache. In Nürnberg stößt der Toastmastersclub sogar an seine Grenzen und muss Neulinge abweisen. Noch frisch ist die Gründung eines deutschsprachigen Clubs in Bamberg.
Die Gründe für die Anziehungskraft dieser Clubs sind sehr unterschiedlich. Manche bekämpfen durch regelmäßiges Üben ihre Redeangst, andere wollen ihrer Karriere einen Schubs geben, wieder andere suchen schlicht Geselligkeit. Während sich traditionelle Vereine schwer tun, ihre Ämter wie Vorstand, Kassenwart oder Schriftführer zu besetzen, funktioniert das bei den "Toastmasters" mühelos. Denn die Ämter sind Teil der Übung und haben Namen wie "Toastmaster of the Evening" - also der Moderator des Abends - oder "Evaluators" - sie beurteilen im Anschluss den Redebeitrag nach festen Kriterien. Dann gibt es noch die Zeitnehmer und die "Äh"-Zähler. In jedem Fall wird am Ende eines jeden Beitrags applaudiert, auch wenn sich jemand nur kurz vorstellt.
In seinem Zeit für Bayern-Feature besucht Carlo Schindhelm diese intellektuellen Fitnessstudios, bestaunt dort Rhetorik-Muskeln und fragt Trainer und Trainierende nach den Tricks für mehr Kraft in Debatten.

Asche auf des Gegners Haupt!
100 Jahre Politischer Aschermittwoch in Bayern
Von Thomas Grasberger

Aschermittwoch ist seit Jahrhunderten ein Tag der Buße und inneren Einkehr. Beim Politischen Aschermittwoch allerdings ist die Religion ein wenig in den Hintergrund geraten. Seine Wurzeln hat er auf dem jährlichen Viehmarkt der niederbayerischen Stadt Vilshofen, wo die Bauern schon im 16. Jahrhundert nicht nur über Fleischpreise diskutierten, sondern auch über Politik. Der erste richtige politische Aschermittwoch fand nach dem Ersten Weltkrieg statt, als am 5. März 1919 der Bayerische Bauernbund zu einer Volksversammlung in Vilshofen einlud. Bayern hatte gerade die Monarchie abgeschafft. Der Bauernbund, der in Niederbayern traditionell stark war, hatte damals nicht nur Abgeordnete im frisch gewählten Bayerischen Landtag, sondern auch einen radikalen linken Flügel. Es gab also viel zu diskutieren in der jungen Republik - und der Aschermittwoch wurde zum Ausdruck einer lebendigen demokratischen Debattenkultur.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Joseph Baumgartner von der Bayernpartei oder Franz Josef Strauß von der CSU ihre großen Auftritte in verschiedenen Vilshofener Sälen - und später wegen des großen Publikumsandrangs in der Passauer Nibelungenhalle. Auch andere Parteien und Redner schlossen sich dem Treiben an. Und sogar jenseits der bayerischen Grenzen versucht man mittlerweile den Politischen Aschermittwoch zu kopieren. Thomas Grasberger erzählt die Geschichte dieser zutiefst bayerischen Institution, die für die einen gelebte Demokratie, für die anderen nur die Fortsetzung des Faschings mit anderen Mitteln ist.

Akustische Reisen durch Bayern Regionen

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