Bayern 2

Musik für Bayern Frauenchöre … mehr Genre als Bewegung?

Sonntag, 10.02.2019
19:30 bis 20:00 Uhr

BAYERN 2

Warum "Frau" singt
Frauenchöre … mehr Genre als Bewegung?
Von Stephan Ametsbichler

Spätestens seit der französischen Revolution wurde sie gepredigt, die Gleichheit aller Menschen, wie sie im 18. Jahrhundert, im Geist der Aufklärung formuliert wurde. Doch in Angriff nehmen und umsetzen durften sie erst einmal nur die Männer. Frauen gestand man eine Gleichberechtigung erst nach und nach zu: politische Mitbestimmung, das Recht auf Bildung und Arbeit oder auf eigenen Besitz mussten über 100 Jahre lang heftig erstritten werden und manche heute selbstverständlichen Errungenschaften im Ehe- und Familienrecht sind gerade einmal ein halbes Jahrhundert alt.

Und auch beim Singen ließ die Emanzipation der Frau auf sich warten. Nach den Jahrhunderten der Verbannung weiblicher Stimmen aus kirchlichen und höfischen Aufführungsorten sollte sich ein selbständiger Frauengesang nach Beginn des 19. Jahrhunderts nur zögerlich etablieren. Private Gesangszirkel und "Damenkränzchen“ innerhalb der Gesellschaft höherer Töchter und akademisch gebildeter Frauen boten erste Entfaltungsmöglichkeiten. Und nachdem die Musikausübung nun bürgerlich geworden war, durften sie auch in den zahlreich entstehenden gemischten Chören ihren Platz einnehmen. Dennoch war es ihnen verwehrt, ein gleichgewichtiges Pendant zu den als "zünftige Bundesgenossen“ auftretenden Männerchören zu werden. Nie waren sie wie diese zu einer gesellschaftspolitischen Bewegung geworden, stets blieben sie als "Genre“ in einer musikalischen Nische.

Selbst heute, in einer Zeit in der unter den geschätzt gut zwei Millionen organisierten Choristen in Deutschland die Frauen mit einer Zweidrittelmehrheit gegenüber ihren männlichen Kollegen eindeutig dominieren, macht sich das in der Praxis nur beim gemeinsamen Singen in gemischten Chören bemerkbar. Im Frauenchor gänzlich unter sich sein wollen nur 8 Prozent aller Sopranistinnen und Altistinnen, während sich bei den Tenören und Bässen immerhin noch doppelt so viele unter ihresgleichen zusammenrotten.

Warum das so ist und was Frauenchöre heute ausmacht, darüber hat sich Stephan Ametsbichler aus berufenem Munde aufklären lassen.