Bayern 2

Hörspiel Schwarzenbach: Alle Wege sind offen

Samstag, 22.12.2018
15:05 bis 16:21 Uhr

BAYERN 2

Alle Wege sind offen
Von Annemarie Schwarzenbach
Komposition: Saam Schlamminger
Bearbeitung: Stefanie Ramb/Katarina Agathos
Regie: Stefanie Ramb
BR 2018
Ursendung
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

"Ein junger Ingenieur hat uns in Istanbul gewarnt: "Sie wollen, zwei Frauen allein und ohne Türkisch zu sprechen, quer durch das Hinterland Anatoliens nach Iran fahren? Vielleicht werden Sie gar keine Schwierigkeiten haben, vielleicht aber deren genug." "Welche Art von Schwierigkeiten? Wir kampieren und kochen unser Risotto selbst," notierte Annemarie Schwarzenbach in ihren Reiseaufzeichnungen. Im Sommer 1939 durchquerte die Schweizer Journalistin zusammen mit der Reiseschriftstellerin Ella Maillart mit dem Auto Jugoslawien, die Türkei und Afghanistan bis nach Indien. Erst im Jahr 2000 wurde die Sammlung von Texten, die aus dieser Reise hervorgingen unter dem Titel "Alle Wege sind offen" im Schweizer Lenos Verlag veröffentlicht. Schwarzenbach schildert die Magie von Begegnungen mit Natur und Menschen, schreibt vom Glück des Unterwegsseins und protokolliert die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, die der immer näher kommende Zweite Weltkrieg mit sich bringt.

Annemarie Schwarzenbach wuchs in einer reichen Schweizer Industriellenfamilie auf, studierte Geschichte, war eine leidenschaftliche Musikerin und schrieb ihre erste Novelle "Eine Frau zu sehen" mit Anfang 20. Darin: eine lesbische Liebe und tiefe familiäre Konflikte, die Themen, die sie seit jungen Jahren beschäftigten. Sie lernte die Geschwister Erika und Klaus Mann kennen, verliebte sich in Erika und rutschte im München der frühen 1930er in eine Morphiumabhängigkeit, unter der sie bis zu ihrem Tod litt. Im Zug ihres erfolgreichen Debuts "Freunde um Bernhard" (1931) zog Annemarie Schwarzenbach nach Berlin. Mit dem Ende der Berliner Bohème 1933 brach auch für Schwarzenbach eine Welt zusammen. Sie engagierte sich im Widerstand.

Reisen in den Nahen Osten, nach Persien und in den Orient, nach Afrika und Amerika ließen sie zur unerbittlich Suchenden werden: nach dem Neuem, dem Fremden, dem Schönen, der Wahrheit hinter der Wirklichkeit und gleichzeitig nach sich selbst, nach ihrer eigenen inneren Wahrheit. Hunderte Reisereportagen entstanden. Sie durchkreuzte die Kontinente und schickte ihre Eindrücke nach Europa: Berichte über kongolesische Minenarbeiter, über kurdische Lastenträger, über die Schattenseiten amerikanischer Industriestädte. Annemarie Schwarzenbach war Protokollantin ihrer Zeit. Mit 34 Jahren starb sie an den Folgen eines Fahrradunfalls und hinterließ nicht nur Dokumentationen aus Regionen der Erde, die fern von klassischen Reisezielen waren, sondern auch tausende Fotografien, die ihren kritischen Blick auf die Entwicklungen der Zeit spiegeln.

Annemarie Schwarzenbach, 1908-1942 , Journalistin und Schriftstellerin. Romane u.a. "Flucht nach oben" (posthum herausgegeben 1999), "Das Wunder des Baums" (posthum herausgegeben 2011).