Bayern 2

Nachtstudio Das ist ja sowas von 68 (7/7)

Dienstag, 28.08.2018
20:05 bis 21:00 Uhr

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BAYERN 2

Die gemachte Zukunft
Das Kursbuch und die Zeit der Theorie
Von Thomas Palzer
BR 2015
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Der lange Sommer der Theorie begann nicht erst im Mai 68, sondern im Juni 1965. Damals erschien die Zeitschrift Kursbuch zum ersten Mal, darin der Aufsatz von Karl Markus Michel: "Die sprachlose Intelligenz". Mit dieser Sprachlosigkeit sollte bald Schluss sein. Und das Kursbuch wandelte sich von einer klassischen literarischen Zeitschrift zu einem Medium zwischen Agitation und Reflexion, in dem Texte der Vietcong und der französischen Postmoderne nebeneinander Platz fanden.
Adorno bezeichnete das Jahr 1965 als "Zeit der Theorie". Nur folgerichtig, dass ab diesem Jahr der Suhrkamp Verlag begann, die Zeitschrift "Kursbuch" herauszubringen. Im Jahr darauf gründete der Verlag die Reihe "Theorie", aus der später - mit mehr Erfolg - das "suhrkamp taschenbuch wissenschaft" hervorging. "Theorie", das bedeutete 1965 kritische Gesellschaftstheorie. Und die verschlang eine Studentenschaft, die täglich den Muff unter den Talaren riechen musste.
Auf geistigem Gebiet stellte das "Kursbuch" die erste deutsche Marke einer sich rasant entwickelnden Markenindustrie dar. In dieser Zeitschrift fand der Glaube an die Theorie sein Sprachrohr. Doch was ist seither aus diesem Glauben geworden? Hat das Kursbuch die Bundesrepublik verändert? Thomas Palzer über die Zeit, als die Theorie noch bei der Geburt der Zukunft geholfen hat, und eine Zeitschrift, die zum Archiv der Studentenrevolte geworden ist.