Bayern 2

Hörspiel Ödön von Horváth: Der ewige Spießer (2/4)

Podcast "Der ewige Spießer" von Ödön von Horváth  | Bild: istock/Montage: BR

Sonntag, 12.08.2018
15:05 bis 16:00 Uhr

Bayern 2

Der ewige Spießer (2/4)
Von Ödön von Horváth
Horváth - Peter Simonischek
Kobler - Stephan Zinner
Anna - Brigitte Hobmeier
Herr mit energischem Zug/amtlicher Dolmetscher - Hannes Ringlstetter
Dritter Herr/Spitzel - Markus Böker
Demokrat/Hofrat - Peter Fröhlich
Beamter/Hausmann - Norman Hacker
und andere
Bearbeitung: Katarina Agathos/Bernadette Sonnenbichler
Komposition: Georg Glasl
Regie: Bernadette Sonnenbichler
BR 2015
Wiederholung am Montag, 20.05 Uhr

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In seiner ersten selbständigen Prosaveröffentlichung aus dem Jahr 1930 ist Ödön von Horváth scharfer Beobachter eines neuen Menschentyps. Kleinbürger, die lernen, zu überleben, sich anzupassen, Privates und Politisches zusammen zu denken, auch wenn dabei so manche gedankliche Schieflage entsteht. In ihrer zwischen Dialekt und angelesenen Floskeln changierenden Sprache entlarven sie ihre Orientierungslosigkeit ebenso, wie sie ihr so leicht von außen beeinflussbares Bewusstsein demaskieren. Ödön von Horváth ging es mit dem Roman aber nicht um Parodie oder beißende Satire. Vielmehr hoffte auch er auf die bekanntlich großen Wirkungen durch kleine Ursachen. Und weil er dabei im werdenden Spießer zugleich den ewigen Spießer erkannte, hat so manche Charakterisierung im Roman bis heute nichts an Aktualität verloren.

Es sind Wandlungsgeschichten unter dem Einfluss der Zeit, die Ödön von Horváth in seinem dreiteiligen Roman "Der ewige Spießer" erzählt. Im München des Jahres 1929 ist der Erste Weltkrieg noch nicht lange vorbei. Die Wirtschaftskrise macht sich im Alltag bemerkbar und radikale rechte wie linke Ideologien breiten sich aus. Dazwischen Durchschnittsmenschen wie Alfons Kobler, Anna Pollinger und Josef Reithofer.

Ödön von Horváth, geb. 1901 in Fiume (heute Rijeka, Kroatien), Schriftsteller. 1908 Übersiedlung nach Budapest. 1909 Versetzung des Vaters nach München, Ödön von Horváth bleibt in Budapest. 1913/14 Übersiedlung nach München zu den Eltern. 1918 erneuter Umzug mit den Eltern nach Budapest. 1919 Umzug der Familie Horváth nach Wien, dann nach Bayern. Noch im gleichen Jahr Immatrikulation an der LMU in München. 1923 intensive schriftstellerische Arbeit, mehrere Wochen Aufenthalt in Paris und Berlin. 1924 Umzug in eine Villa in Murnau. 1929 Abschluss eines Vertrags mit dem Ullstein Verlag über die "gesamte schriftstellerische Produktion". 1931 Vernehmung als Zeuge bei einem Saalschlacht-Prozess in Weilheim und Angriff durch Nationalsozialisten. Kleist-Preis. 1932 Auflösung des Vertrags mit dem Ullstein Verlag. 1933 Umzug nach Wien. Heirat der Sängerin Maria Elsner. 1934 Scheidung und Rückkehr nach Berlin, Beitritt in den Reichsverband Deutscher Schriftsteller. 1936 bei einem Besuch der Eltern in Possenhofen Mitteilung darüber, dass er Deutschland zu verlassen habe. 1937 Ausschluss aus dem Reichsverband Deutscher Schriftsteller. 1938 starke Depressionen, Abreise nach Paris, Tod durch einen herabstürzenden Ast. Werke: Theatertexte u.a. "Mord in der Mohrengasse" (1923), "Zur schönen Aussicht" (1926), "Geschichten aus dem Wiener Wald" (1931), "Kasimir und Karoline" (1931), "Glaube Liebe Hoffnung" (1932). Prosa u.a. "Sportmärchen" (1924), "Der ewige Spießer" (1930), "Jugend ohne Gott" (1937).