Bayern 2

radioTexte - Das offene Buch "salam, yamen" - "Lieber Said"

Said und Jamen Hussein | Bild: picture-alliance/dpa/Yamen Hussein/BR Montage

Sonntag, 22.07.2018
12:30 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Der iranisch-deutsche Dichter Said, der vor Jahrzehnten den iranischen Diktaturen entkam und der syrische Dichter und Exilant Yamen Hussein tauschen sich aus über Heimatverlust und Sprache, Gewalt und Poesie. Ein Gespräch in Briefen und Gedichten, jetzt neu als Buch mit CD. Lesung: Said, Yamen Hussein und der Schauspieler Paul Herwig.
Musik: Roman Bunka (Oud)

Moderation: Cornelia Zetzsche

Sie lebten in einer Stadt und kannten sich nicht. Der eine halb so alt wie der andere, aber beiden gemeinsam war die Ankunft in der Fremde. Yamen Hussein, Mitte dreißig, floh 2013 aus Syrien und kam 2014 über den Libanon und die Türkei nach Deutschland. Der Dichter Said, 70, stammt aus Teheran, wollte 1965 in München studieren und blieb „als flüchtling, seit beinah fünfzig jahren“, wie er schreibt.

Said, der im Deutschen seine Heimstatt fand, seine Lingua Franca und seit 1975 seine literarische Ausdrucksform, wandelte sich vom Technik-Studenten zum Poeten, wurde Chamisso-Preisträger, war zwei Jahre PEN-Präsident und macht, in Lyrik und Prosa, immer wieder auch autobiographisches Material zum literarischen Stoff: die Kindheit in Teheran, die fremde Mutter, die er erst mit 43 Jahren kennenlernte, die Revolution der Islamisten unter Khomeini. „ salam yamen, sei du herzlich willkommen in deutschland, im territorium der deutschen sprache, seiner eigentlichen gastgeberin“, begrüßte er den Dichter-Kollegen aus Syrien.

Yamen Hussein aus Homs, der mit kritischen Artikeln gegen die Eingriffe des Staates in die Pressefreiheit ins Visier der Machthaber geraten war, der von der Universität verwiesen, vom Geheimdienst verfolgt und bedroht wurde; der 2011 über die Proteste in Homs und Hama berichtet und das „Nabd Bündnis für die Jugend Syriens“ mitbegründet hatte. Ein politischer Kopf, ein Poet, ein Geflüchteter, dem „die Sprache, die Straßen und die Musik stets ein Trost waren“. Anfangs als Gast des PEN-Zentrums ein „Writer in Exile“ in München, wohnt Yamen Hussein inzwischen in Leipzig. Ein Exilant, der zurück möchte und der Said antwortet: „Ich habe Angst, Du zu werden“, das heißt: ein „flüchtling seit bald fünfzig jahren“. Aber mit dem Krieg in Syrien scheint seine Rückkehr ferner denn je.

Yamen Hussein und Said, zwei Literaten, zwei Exilanten im poetischen Austausch, lesen ihre Texte, zusammen mit dem Schauspieler Paul Herwig, der deutschen Stimme Yamen Husseins. Begleitet von Roman Bunka, einem Virtuosen der Oud. Entstanden ist der Dialog in Kooperation des BR/Bayern 2 mit dem PEN/"Writer in Exile" und dem Literaturhaus München. Jetzt neu: Alle Texte als Buch und CD im Kirchheim Verlag München.

Redaktion und Moderation: Cornelia Zetzsche

Nach der Sendung als kostenloser Podcast verfügbar