Bayern 2

radioTexte am Dienstag Das Meer schläft nie (2/2)

Delfin: Zwei Delfine "fliegen" über den Pazifischen Ozean (2000) bei Neuseeland | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 03.07.2018
21:05 bis 22:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

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Geschichten, Legenden und Anekdoten rund um die Weltmeere

"Das Meer schläft nie", schrieb Elias Canetti in seinem Buch "Masse und Macht", wo das Meer zu den Massenphänomenen in der Natur zählt. "Das Meer schläft nie", in diesem Satz deutet sich etwas von dem Geheimnis dieses letzten großen, noch immer nicht vollständig entdeckten Neulands an: es ist immer in Bewegung, es wirkt wie ein Organismus, der ewige Rhythmus der Gezeiten gleicht einem Atemholen, es hat Stimmungen, bedroht, besänftigt, und seine scheinbare Unermesslichkeit macht es zum Sinnbild des Unendlichen. Die Tiefe der Ozeane ist gefährlich und verlockend zugleich. Das änderte sich auch nicht, als man glaubte, das Meer durch technischen Fortschritt gezähmt, domestiziert zu haben. Die Beschreibungen des Meeres in der Kulturgeschichte haben mehrere Aspekte: das Meer als Bedrohung, das Meer als politischer, wirtschaftlicher Faktor, das Meer als erotisches Faszinosum - als solches wird es beim Baden wahrgenommen: als gesundheitsförderndes, als sportliches Erlebnis beginnt das Meerbaden Ende des 18. Jahrhunderts und verwandelt sich dann ins pure Vergnügen. In Anthologien mit Geschichten, Legenden und Anekdoten um und über das Meer fragen wir uns immer wieder: warum lieben wir eigentlich das Meer?