Bayern 2

Hörspiel Mueller: Das bunte Leben und der schwarze Tod von Walddorf (2/2)

Dreißigjähriger Krieg: Der Prager Fenstersturz | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 21.05.2018
21:05 bis 22:00 Uhr

Bayern 2

Das bunte Leben und der schwarze Tod von Walddorf
Von Harald Mueller
Mit Otto Sander, Hans Karl Friedrich, Hannelore Hoger, Grete Wurm, Anneliese Betschart und anderen
Gesang: Collegium Vocale Köln
Regie: Walter Adler
HR/BR/SFB 1980

Eine Chronik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hat Harald Mueller zu seinem zweiteiligen Hörspiel angeregt. Das großangelegte Historiengemälde versucht, Leben und Sprache der Epoche szenisch zu rekonstruieren. Der Prager Fenstersturz, der als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges gilt, jährt sich heuer zum 400. Mal.

"Die Macht schwimmt in hundert kanonenbeladenen Schiffen über das Meer; sie stampft mit den eisernen Sohlen der Musketiere und Feuerröhrer von Böhmen gen Norden, sie galoppiert auf starken, weißen Pferden in festem Leder und in Eisen von Amsterdam aus in das Herz des deutschen Landes. Erst ist sie nur in den Köpfen der Großen, dann breitet sie sich rot in der Wirklichkeit aus. Sie heißt Gustav Adolf, Tilly, Wallenstein. Und Kaiser und Gott und Sohn und Tod. Sie ist nicht einfach, sie erscheint kompliziert, taugt nicht zum Begreifen, macht nur noch Angst, so groß und so schrecklich erscheint sie der Ohnmacht. Kluge Köpfe wachsen ihr auch und mit ihnen Rechtfertigungen des Schlimmen. Und eine von ihnen heißt Gottessohn. Und weil er am Holz hängt und furchtbar blutet, und weil solche Bilder ähnliche zeugen, versucht die Macht, alles ihm gleich zu machen: Was geschieht, geschieht im Namen des Herrn, der Raub, der Mord, der rote und auch der schwarze Tod. Und Gott heißt auch der Hebel der Angst, mit dem immer mehr Goldstücke, Taler und Dukaten in die Taschen der Macht hineingehievt werden." (Harald Mueller)

Harald Mueller, geb. 1934 im heutigen Litauen. Theater- und Hörspielautor, Übersetzer. 1945 Flucht nach Schleswig-Holstein. 1969 Debüt-Drama "Großer Wolf". Förderung durch Martin Walser. Übersetzer von Bernhard Shaw. Bis 1974 Dramaturg am Schillertheater Berlin. Größter internationaler Erfolg "Totenfloß" (1984). Weitere Hörspiele unter anderem "Ein seltsamer Kampf um die Stadt Samarkand" (WDR 1970), "Stille Nacht" (WDR / BR 1973), "Der Zögling" (Rundfunk der DDR 1979), "Totenfloß" (hr / BR / SWF 1986).