Bayern 2

BR-Themenwoche "Dialekt" Bayerisches Feuilleton Homer, Shakespeare und Co. in Bayern

Hans Triebel vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (2004) | Bild: picture-alliance/dpa/Frank Mächler

Sonntag, 06.05.2018
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

Bayern 2

Homer, Shakespeare und Co. in Bayern
Mutmaßungen über den beliebtesten deutschen Dialekt
Von Thomas Kernert

Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr
Vom 5. bis 12. Mai als Streaming und in der Bayern 2 App verfügbar

Sprechen Sie bairisch? Nein? Dann wird es höchste Zeit, es zu lernen. Denn kein anderer Dialekt ist in Deutschland so beliebt wie das Bairische. Woran das liegt? An der Schönheit und Klugheit der Bayern? Kann sein, die amtierende Miss Germany jedoch stammt aus Stuttgart, wo man gemeinhin ein ziemlich gewöhnungsbedürftiges Idiom pflegt. Und Jürgen Habermas ist geborener Düsseldorfer. Logopäden und Dialektforscher weisen deshalb lieber auf die rollenden "Rs", die runden Vokale, die weichen Sprenglaute sowie die vielen Diphthonge hin, die dem Bairischen insgesamt einen weicheren und warmherzigeren, sprich: kommunikativeren Sprachklang verleihen. Will heißen: Bairisch ist sexy! - Auch wenn Missverständnisse dazu gehören. "A Kiwi" ist hierzulande keine tropische Frucht, sondern ein Eimer.

Dennoch: Sex sells! Ganz in diesem Sinne gibt es mittlerweile alles auf bairisch: Speisekarten, Comics, Kinderbücher, Fernsehkrimis, Rockmusik, Musicals, Opern, ja sogar die Odyssee. Während in der globalisierten Welt immer mehr Sprachen vom Aussterben bedroht sind, trumpft das Bairische mitten in Zentraleuropa groß auf. Eine ganze Branche lebt mittlerweile von der Herstellung und Verbreitung bairischer Kommunikation. Feiert hier die Region, die Provinz, das tellerförmige Denken fröhliche Urstände? Oder ist alles nur a Gaudi?

Thomas Kernert, der der Klangfülle und Harmonie des Bairischen in jeder Form zugetan ist, befürchtet: Der gefährlichste Feind des Bairischen ist Bairisch als Massenware.

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.