Bayern 2

BR-Themenwoche "Dialekt" radioTexte - Das offene Buch "Dea do is so a Dodl" (2/3)

Martin Walser und Arnold Stadler | Bild: picture-alliance/dpa

Sonntag, 06.05.2018
12:30 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Sprachkünstler und ihr Dialekt. Sechs Autorenlesungen in fünf Mundarten. Nach dem Auftakt mit Gerhard Polt und Herms Fritz, lesen Großschriftsteller Martin Walser und Büchner-Preisträger Arnold Stadler im zweiten Teil.

Moderation: Cornelia Zetzsche

„‘s Wasserburger Johr - wia’n as amol gsi isch“ dichtete Martin Walser als Hommage an seine Geburtsstadt Wasserburg am Nordufer des Bodensees, im schwäbisch-bayerischen Landkreis Lindau. Rast, der Heimatort des Schriftstellers Arnold Stadler, gehört schon zu Baden-Württemberg, aber auch dort spricht man Schwäbisch-Alemannisch oder genauer: Rasterisch. „No wishes, so isches“, betitelt Stadler seine Wiederbegegnung mit der einstigen Freundin aus der Kindheit. Exklusiv fürs Offene Buch schrieb und liest er im Dialekt. Und wer bei Stadler und Walser nicht allzu viel versteht, sei getröstet: Der Klang ist das eigentliche!

Für Martin Walser und Arnold Stadler ist der Dialekt privat, die Sprache seiner Familie und seiner Herkunft. Ihre literarischen Erfolge folgen der Schriftsprache, dem Hochdeutschen. Andere Autoren haben die Mundart auch zu ihrer Literatursprache gemacht.

"Dea do is so a Dodl" dichtet der Grazer Lyriker Herms Fritz und versucht, die Steirische Mundart zu verschriftlichen, so wie Fitzgerald Kusz sein Mittelfränkisch in Haikus, im „Nämberch-Blues“ und anderen Büchern.

Das Bairische war einmal berühmt für seine kreativen, erfindungsreichen Beleidigungen, sagt Gerhard Polt, einer der besten Wortkünstler im Dialekt, bajuwarisiert den englischen Knödel als „Mordsdrum-Dumpling“ und dokumentiert in seinem Konversationslexikon „Der grosse Polt“ verschwindende und neu erfundene Begriffe.

Während auf politischer Bühne Regionalismen blühen, scheint der Dialekt im Globalen Dorf auf dem Rückzug. Mobilität, Pragmatismus oder Skepsis gegenüber der provinziellen Enge, es gibt viele Ursachen.

Die Dramatikerin Kerstin Specht, mit „Das glühend Männla“ und „Amiwiesen“ einst gefeiert für ihre Kunstsprache, die dem Oberfränkischen entsprang, hat längst Stoffe und Sprache gewechselt und schreibt Hochdeutsch. Für die dritte Folge der Dialekt-Lesungen auf Bayern 2 kehren sie zurück zur Mundart ihrer Herkunftsregionen und porträtiert ihre Mutter Friedel im Frankenwald.

Moderation und Redaktion: Cornelia Zetzsche

Programm:

29. April 2018
Gerhard Polt „Der Alkoholsportler“, Szene, Muttersprache: Bairisch
Herms Fritz: „Bia und Marülln“, Gedichte + Lied, Muttersprache: Steirisch

6. Mai 2018
Martin Walser: „s‘Wasserborger Johr“ und „Zletzschd“, Gedichte, Muttersprache: Alemannisch
Arnold Stadler: „Bischd au do?“ oder „No wisches, so isches“, Muttersprache: Alemannisch

13. Mai 2018
Kerstin Specht: „Friedel“, Porträt einer Mutter, Muttersprache: Oberfränkisch
Fitzgerald Kusz: „mei schbrouch“, Gedichte , Muttersprache: Ostfränkisch


Nach der Sendung als kostenloser Podcast verfügbar