Bayern 2

radioWissen Die Weiße Rose

Roland Freisler im Volksgerichtshof unter dem Hakenkreuz | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 19.02.2018
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Die Geschwister Scholl
Der Widerstand der Weißen Rose

Der Strafrichter Roland Freisler
Im Dienst des NS-Staates

Das Kalenderblatt
19.2.1919
Der Lotter-Putsch scheitert in München
Von Julia Devlin

Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Die Geschwister Scholl - Der Widerstand der Weißen Rose
Autor: Christian Feldmann / Regie: Irene Schuck
Für viele ist die "Weiße Rose" immer noch eine romantische Widerstandslegende: ein rührendes Märchen von ein paar naiv-idealistischen Studenten, die etwas gegen den Krieg und die kulturlose Nazi-Bande tun wollten und mit ihren wenig durchdachten Spontanaktionen sich selbst dem Henker auslieferten. Doch was die Münchner Querköpfe um Hans und Sophie Scholl und Alexander Schmorell damals heimlich in ihre Schreibmaschinen tippten und als Flugblatt an Professoren, Publizisten, Gastwirte verschickten, verrät durchaus politischen Durchblick und eine klare Strategie: Herstellung einer Gegenöffentlichkeit zur Nazi-Propaganda, Sabotage der Rüstungsbetriebe, Neuaufbau eines freiheitlichen, föderalistischen, europäisch orientierten Deutschlands. Eine andere gesellschaftliche Machtverteilung mit einem "vernünftigen Sozialismus".
Seit die bis zum Mauerfall in der Ostberliner Stasi-Zentrale eingeschlossenen Gestapo-Verhörprotokolle der Geschwister Scholl frei zugänglich sind, ist Bewegung in die Forschung über die "Weiße Rose" gekommen und stellen sich wichtige Fragen neu: Welche Rolle spielten die Erfahrungen der jungen Widerständler an der Ostfront? Welche Bedeutung hatten Religiosität und Gewissensethik? Warum ließen sich Hans und Sophie Scholl am Ende bei ihrer Flugblattaktion in der Münchner Universität so widerstandslos festnehmen? Wussten sie, dass sie verraten worden waren?

Der Strafrichter Roland Freisler - Im Dienst des NS-Staates
Autorin: Sabine Straßer / Regie: Sabine Kienhöfer
Er hat Sophie und Hans Scholl zum Tode verurteilt, die Verschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 - und tausende weitere Menschen: Roland Freisler, deutscher Jurist und von 1943 bis 1945 Präsident des deutschen Volksgerichtshofes. Er schickte nicht nur Widerständler zum Schafott, sondern auch unzählige kleine Leute, wie die 40-jährige Emma Hölterhoff, Mutter von vier Kindern, die einmal zu Soldaten gesagt haben sollte: "Schmeißt an der Front das Gewehr weg und stellt euch tot." Freisler brüllte Angeklagte wie sie im Gerichtssaal hemmungslos nieder, bevor er so gut wie immer das Todesurteil über sie aussprach. Der Nürnberger Militärgerichtshof nannte ihn posthum "den düstersten, brutalsten und blutigsten Richter der gesamten deutschen Justizverwaltung." Roland Freisler selbst hätte dieses Urteil womöglich noch mit Stolz erfüllt, denn er galt selbst unter Nationalsozialisten als unberechenbarer Fanatiker und bizarrer Eiferer. Historiker und Menschen, die Freisler noch leibhaftig erlebt haben, sind sich aber einig: Freisler war keineswegs verrückt. Er war ein Produkt seiner Zeit und der Gesellschaft, die ihn umgab.

Moderation: Michael Zamertzer
Redaktion: Thomas Morawetz

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