Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Der Verleger Friedl Brehm

Samstag, 30.12.2017
08:05 bis 09:00 Uhr

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Bayern 2

Der Mundart-Apache
Zum 100. Geburtstag des Verlegers Friedl Brehm
Von Bernhard Setzwein
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Friedl Brehm war in jeder Hinsicht eine singuläre Erscheinung - schon rein äußerlich: Mit seinem schulterlangen weißen Haar, dem Peace-Zeichen vor der Brust, immer mit Bluejeans und Holzpantoffeln unterwegs, klein von Gestalt, aber groß in seiner Wirkung, konnte man ihn in seinen späteren Jahren für einen ewigen Hippie und Friedensapostel halten - oder auch für eine Inkarnation von Winnetous weißem Lehrvater Klekih-petra.

In Duisburg geboren, aber aus einer traditiosnreichen Würzbuger Familie stammend, fühlte er sich zeitlebens als Bayer. Daraus erkärt sich auch sein verlegerisches Engagement für die bairische Mundart. O-Ton Friedl Brehm: "… ohne eigene Sprache, in einem fremden Sprachraum aufgewachsen, in der Schule immer als 'Bayer' oder 'Ausländer' bezeichnet, musste sich so etwas in einem Charakter wie mir ausprägen." Entsprechend zog es ihn frühzeitig nach Bayern, wo er zuerst Journalist von Beruf wurde - und später Verleger aus Leidenschaft.

Er rief die Zeitschriften "Schmankerl" und "Edelgammler" ins Leben, bot jungen Autoren aus Bayern und Österreich ein Publikationsforum, förderte vor allem die Mundartliteratur in ihrer nicht-tümelnden Ausprägung - und wurde so zum Mentor und Mäzen für eine ganze Reihe literarischer Stimmen, von denen einige heute zum Kanon der bayerischen Gegenwartsliteratur zählen. Im "Friedl-Brehm-Verlag" veröffentlichten Autoren wie Joseph Berlinger, Helmut Eckl, Hanns Meilhamer, Felix Mitterer, Gerhard Polt, Carl-Ludwig Reichert, Alfons Schweiggert, Bernhard Setzwein, Albert Sigl oder Josef Wittmann.

So illuster diese Namen heute klingen mögen, so wenig bescherten sie dem Verleger kommerzielle Erfolge. Doch dies war auch gar nicht sein primäres Ziel. Sein Brotberuf war der Jorunalismus, die Verlegerei war eine Herzensangelegenheit. Zwischen diesen beiden Polen arbeitete sich der zeitlebens Unangepasste 26 Jahre lang auf.

Friedl Brehm starb am 8. April 1983 in Feldafing, wo er lange gelebt hatte.

Am 21. Mai vor 100 Jahren kam er zur Welt und vor 60 Jahren gründete er seinen Verlag - Anlässe genug, an diese außergewöhnliche Persönlichkeit der bayerischen Literaturszene zu erinnern. Bernhard Setzwein setzt Friedl Brehm ein akustisches Denkmal, unter Verwendung von Teilen des Mitschnitts einer Veranstaltung am 21. Mai in Feldafing - mit dem treffenden Titel: "Messerstiche in die weiß-blaue Seele".

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.