Bayern 2

radioWissen Friederich Hölderlin und Stefan George

Porträt Stefan George | Bild: colourbox.com

Dienstag, 04.07.2017
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Friedrich Hölderlin
Der kranke Dichter

Stefan George
Der Meister und seine Fans

Das Kalenderblatt
4.7.1913
Fritz Klatte erhält Patent auf PVC
Von Hellmuth Nordwig

Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Friedrich Hölderlin - Der kranke Dichter
Autorin: Justina Schreiber / Regie: Irene Schuck
War Hölderlin so genial, weil er psychisch krank? Die Frage ist letztlich irrelevant. Denn Hölderlin gilt als einer der großen deutschen Dichter, unabhängig von seiner seelischen Verfassung, die sich seit 1806 in der Tat dramatisch verschlechterte. Sein Werk zeichnet eine außergewöhnlich kreative sprachliche Umsetzung philosophischer Inhalte aus. Als besonders prägend für ihn erwiesen sich die Schriften Kants, die er als Zögling des protestantischen Tübinger Stiftes intensiv studierte. Zunächst auch zusammen mit seinen Kommilitonen Georg Wilhelm Hegel und Friedrich Schelling dachte er die Thesen Kants weiter. Was konnte die christliche Lehre ersetzen, die vor dem Prüfstein der Vernunft versagte? Die neue Mythologie, die Hölderlin in einer Synthese christlich-antiker Prinzipien sprachlich zu bilden versuchte, führte ihn in Grenzbereiche des Denkens. Erst im 20. Jahrhundert lernte man seine späten, also zwischen 1801 und 1806 entstandenen Hymnen und Gesänge als philosophisch bedeutsame Sprachschöpfungen schätzen.

Stefan George - Der Meister und seine Fans
Autor: Klaus Uhrig / Regie: Irene Schuck
Wer drin war, war in: Im sogenannten George-Kreis tummelten sich einige der schillerndsten Gestalten des Münchener Geisteslebens im frühen 20. Jahrhundert: Dichter, Forscher, Esoteriker, selbsternannte Philosophen. Mitmachen konnte keineswegs jeder. Nur wer Stefan George persönlich beeindruckte, hatte eine Chance, zu den Treffen des Kreises geladen zu werden und vielleicht sogar eine Audienz mit dem "Meister" selbst zu erhaschen. Zusammengehalten wurde dieser lose Zirkel einzig durch die mythische verehrte Gestalt in seinem Zentrum. So revolutionär waren seine Texte, so faszinierend seine Ausstrahlung, dass Außenstehende den Lyriker mit einem Guru verglichen - und den George-Kreis mit einer obskuren, antimodernen und quasireligiösen Sekte. Eine durchaus treffende Analogie, bot der George-Kreis doch eine geistige Heimat für Wirrköpfe wie den glühenden Antisemiten Alfred Schuler, der sich für einen wiedergeborenen Römer hielt und gerne mal mit einer Tunika bekleidet durch Schwabing spazierte.

Moderation: Kristina Thiele
Redaktion: Petra Herrmann

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