Bayern 2

radioWissen Schiller und das Spiel

Karten, Würfel, Chips | Bild: colourbox.com

Dienstag, 21.04.2015
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Friedrich von Schiller
Briefe zur ästhetischen Erziehung
Autor: Rainer Firmbach / Regie: Frank Halbach

Karten, Würfel, Chips
Geschichten von Spielern
Autor und Regie: Dorit Kreissl

Das Kalenderblatt
21.4.2015
Anthony Quinns 100. Geburtstag
Von Herbert Becker

Als Podcast verfügbar


Friedrich Schillers spektakuläre Dramen erzählen von Intrigen, von Freiheitskampf und verzweifelter Liebe. Damit wurde der Dichter zum wichtigsten deutschen Klassiker neben Goethe. Auch mit seinen 27 "Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen" machte Schiller Furore. Seine Theorie: Jedes Individuum kann durch ästhetische Erziehung frei werden. Dies ist die Voraussetzung für politische Befreiung, die die Französische Revolution zwar versprochen, aber nicht gebracht habe; auch weil die Menschen noch nicht reif dafür waren. Schiller suchte eine Kraft, die bei dieser Reifung helfen sollte, indem sie Vernunft und Sinnlichkeit vereinte und fand sie im "Spieltrieb". Endziel seines humanistischen Ansatzes ist die "Staatsverwandlung nach moralischen Prinzipien", .h. die Umwandlung eines "Naturstaates" absolutistischer Prägung in einen "ästhetischen Staat".
"Dichtung in ihrer ursprünglichen Funktion als Faktor früher Kultur wird im Spiel und als Spiel geboren" - eine These des holländischen Historikers und Kulturphilosophen Johan Huizinga, der den Begriff "homo ludens" prägte: der Mensch als Spieler. Über seine These kann man streiten, zweifellos ist das Element des Spiels aber Gegenstand vieler literarischer Werke: vom allumfassenden Glasperlenspiel Hermann Hesses über Dostojewskis "Spieler", der Wettleidenschaft Bukowskis, dem Ballfieber eines Nick Hornby oder Ror Wolf bis hin zu mörderischen Spielen in Suzanne Kennedys "Tribute von Panem". Dem "Spiel mit Wörtern" ist die Gruppe "OuLiPo" - die "Werkstatt potentieller Literatur" - verfallen. Zu deren Mitgliedern zählte der französische Schriftsteller Georges Perec, der sich in seinen Romanen Spielregeln auferlegte: so verzichtete er in seinem Werk "La Disparition" komplett auf den Vokal "e". Alles ist Spiel oder wie bereits Schiller schrieb: "Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt."
Moderation: Kristina Thiele
Redaktion: Petra Herrmann
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