Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Wenn "Adi" Hitler 1894 ertrunken wäre

Sonntag, 21.05.2017
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Wenn "Adi" Hitler 1894 ertrunken wäre
Die Legende einer fatalen Lebensrettung
Von Joseph Berlinger
Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Dies ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der dem kleinen Adolf Hitler das Leben rettete. Und eines schweizerischen, österreichischen, deutschen Flusses, der beinahe die Welt gerettet hätte. - Der Inn macht heute kaum mehr Geräusche, wenn er an Passau vorbeifließt. Unsere begradigten, gebändigten Flüsse sind leise geworden. Leise, lau und lethargisch. Nur bei Hochwasser begehren sie noch auf.

Ende des 19. Jahrhunderts war das noch anders. Da war der Inn laut. Und stellenweise reißend. Ein für die Menschen lebensgefährlicher Fluss. Die Kinder der Passauer Innstadt zog dieser Fluss magisch an. An seinem Ufer spielte der kleine "Adi" Hitler mit Nachbarsbuben gerne "Fangen".

Eines Tages im Jahre 1894 passiert es: Er rutscht beim Spielen aus und fällt ins wilde Wasser. Doch bevor es ihn fortspülen kann, wird er von einem Kameraden gerettet. - Adolf Hitler wird sein Leben lang nicht mehr schwimmen lernen. Und Millionen unschuldiger Menschen in den Tod schicken. Johann Nepomuk Kühberger, Hitlers Lebensretter, wird später ein stiller, schweigsamer Mann werden. Auf seine Initiative hin wird in Passau 1924-1928 die größte Domorgel der Welt gebaut. Und Kühberger wird ihr Kapellmeister sein.

Wir tauchen ein ins späte 19. Jahrhundert, zu den Fangen spielenden Jungen. Und springen in die Mitte des 20. Jahrhunderts, zu dem Orgel spielenden Domkapellmeister. Ein Spiel treibt der Autor Joseph Berlinger auch mit einem grausigen und zugleich wunderbaren Gedanken. Wenn der kleine Johann Nepomuk Kühberger den kleinen Adolf Hitler hätte ertrinken lassen, wären Millionen Menschenleben gerettet worden. Und der Vater des Autors hätte im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront nicht sein linkes Bein verloren. Aber wäre der Autor dann je geboren worden?

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.