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Pollenallergie Ansätze von Naturheilkunde und Homöopathie

Ziel der homöopathischen Behandlung einer Pollenallergie ist, dass die Symptome einer Allergie nachlassen oder verschwinden. In der Naturheilkunde spricht man in diesem Zusammenhang von einer Immunmodulation. Die Wirkungsweise der Homöopathie beruht auf Hypothesen und Modellen, die Plausibilität fehlt ihr jedoch.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 01.08.2016

Kind bekommt Globuli auf Zunge gelegt | Bild: picture-alliance/dpa

Die Naturheilkunde sieht in einer Pollenallergie nicht nur ein lokales Problem von Augen und Nase, sondern eine Beeinträchtigung des gesamten Allgemeinzustandes des Patienten. Deswegen raten Komplementärmediziner allen Patienten, die eine spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung machen können, diese Chance auch zu nutzen und zusätzlich naturheilkundliche, symptomlindernde Präparate in Anspruch zu nehmen. Insbesondere gilt das für Patienten mit einer ganze Reihe verschiedener Allergien, und bei denen eine Hyposensibilisierung eventuell nicht gut wirkt.

Verdünnte Pollen

Ein symptomlinderndes Präparat der Homöopathie zur Behandlung von Heuschnupfenpatienten besteht aus einer Lösung verdünnter Pollen, die verschüttelt und auf einen Trägerstoff aufgebracht wurden. Laut einer homöopathischen Beobachtungsstudie kann das Präparat („Nosode Pollens“ oder „Pollens“) die Symptome von Pollenallergikern lindern, wenn es während der Pollenflugzeit zwei bis dreimal am Tag eingenommen wird. Häufig bestehen homöopathische Heuschnupfenmittel auch aus einer Mischung verschiedener Präparate.

Eigenblutbehandlung

Bei dieser Therapie wird aus dem Ohrläppchen oder der Fingerspitze des Patienten ein Tropfen Blut abgenommen, der anschließend nach dem homöopathischen Arzneibuch verdünnt und verschüttelt und vom Patienten in Tropfenform über den Mund wieder eingenommen wird.

"Vor allem bei Kindern ist diese Therapie für mich erstaunlich erfolgreich - ich erinnere mich an meine eigene Tochter, die eine Pferdehaarallergie entwickelt hat, und die daraufhin mit dieser Eigenblutbehandlung ihrem Pferde Hobby weiter frönen konnte."

Dr. med. Artur Wölfel, Ärztlicher Leiter des Krankenhauses für Naturheilweisen in München Harlaching.

Ordnungstherapie

Eine der Säulen in der Naturheilkunde ist die so genannte Ordnungstherapie (Salutogenese). Darunter versteht man allgemein bekannte Lebensstilfaktoren, wie z.B. die Verbesserung körpereigener Abwehrkräfte durch moderates Bewegungstraining, die Stärkung des Organismus durch Licht, Luft und Sonne, Wasseranwendungen (u.a. Kneipp‘sche Verfahren) und ein vernünftiger Wechsel zwischen Schlafen und Wachsein. Vor allem für die manchmal überaktiven Allergiker ist dabei wichtig, den eigenen Energiehaushalt zu berücksichtigen und immer wieder auch zu entspannen.

"Das ist allerdings bevormundende Spielverderber- und Erziehungsmedizin und gehört in die Mottenkiste!"

Dr. Adam Chaker, Leiter der Allergieambulanz und HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München

Akupunktur

Entspannung erreichen viele Patienten u.a. auch mit Hilfe der Akupunktur, da sind sich Naturheilkunde und Schulmedizin einig.

"Es gibt sehr gute und seriöse wissenschaftliche Arbeiten, die z.B. zeigen, dass man das Symptom Juckreiz damit gut kontrollieren kann. Das ist auch mit funktionellen MRT-Untersuchungen belegt worden. Es ist daher überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn man diese Konzepte vernünftig miteinander verbindet, dabei redlich bleibt und die Therapieziele fair formuliert. Die Behandlung von Allergien mit Eigenblut ist wissenschaftlich nicht untersucht und hat mit guter Medizin sicher nichts zu tun."

Dr. Adam Chaker, Leiter der HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München.

Histaminreiche Nahrung meiden

Bei einer Pollenallergie wird immer Histamin frei gesetzt. Das bewirkt in der Schleimhaut eine regelrechte Kaskade von Reaktionen: Die Nase schwillt zu oder man muss niesen. Bei manchen Patienten kann eine histaminarme Kost diese Symptome vermindern, eine histaminreiche dagegen verschlimmern. Hierfür gibt es aber keinen Nachweis.

Emotionaler Stress

Schulmedizin und Naturheilkunde sind sich einig: Emotionaler Stress kann die Abwehrbereitschaft gegenüber einer Allergie senken.

"Es gibt eine Reihe von Forschungsgruppen, die sich mit dem Einfluss von Stress auf die Entstehung von Allergien beschäftigen, mit dem Einfluss von frühkindlichem Stress, vielleicht sogar einer veränderten Mutter-Kind-Beziehung, und damit einer größeren Stressanfälligkeit des Kindes und dem Bezug auf die Entstehung von Allergien."

Dr. Oliver Fuchs, Oberarzt, Facharzt Pädiatrie und Allergologie, in Weiterbildung pädiatrische Allergologie und Immunologie, am Inselspital, Universitätsspital Bern (Schweiz)


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