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Allergierisiko bei Kindern Jungen sind gefährdeter als Mädchen

Wie groß in Deutschland das Risiko für Kinder und Jugendliche bis etwa 18 Jahre ist, Heuschnupfen zu entwickeln, hat das Robert-Koch-Institut in der sogenannten KIGGS Studie, einer Langzeitstudie, untersucht. Das Resultat: Das Risiko für Jungen liegt bei etwa zwölf Prozent, für Mädchen dagegen nur bei neun Prozent. Auch bei Asthma bronchiale, das teilweise allergisch bedingt ist, sind Jungen im Kindes- und Jugendalter eher gefährdet als Mädchen. Doch ab einem Alter von etwa dreizehn, vierzehn Jahren kehrt sich das Verhältnis um. Dann liegen Mädchen vorne.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 22.09.2018

Kind fasst sich mit Taschentuch an die Nase | Bild: imago/medicimage

Ein wichtiger Risikofaktor für Kinder und Jugendliche, Heuschnupfen zu entwickeln, ist die Vererbung. Denn Kinder ohne betroffene Verwandte ersten Grades bekommen nur zu etwa zwölf Prozent eine Pollenallergie.

"Hat ein Kind ein Geschwister- oder Elternteil mit Heuschnupfen, dann steigt das Risiko bereits auf einen Wert zwischen 25 und 40 Prozent. Sind sogar Mutter und Vater von derselben Allergie betroffen, liegt das Risiko für das Kind zwischen 60 und 80 Prozent. Genetik spielt also eine wichtige Rolle, aber Umwelteinflüsse und Lebensstil können auch dafür sorgen, dass ein Kind Pollenallergie bekommt."

Oliver Fuchs, Oberarzt, Facharzt Pädiatrie und Allergologie, in Weiterbildung pädiatrische Allergologie und Immunologie, am Inselspital, Universitätsspital Bern (Schweiz)

Schützende Einflüsse

Mehrere Studien weltweit zeigen: Manche Kinder auf dem Land sind weniger anfällig für Allergien als andere. Vor allem Kinder, die auf einem Bauernhof mit möglichst vielen verschiedenen Tieren aufwachsen, sind geschützt, denn sie haben Kontakt zu Substanzen in ihrer Atemluft, die das Immunsystem modulieren.

Dauer des Kontakts

Dieser Schutz ist dann am größten, wenn bereits das ungeborene Kind über die Mutter mit den Substanzen im Stall in Kontakt gekommen ist, z.B. weil die Schwangere dort gearbeitet hat. Doch auch nach der Geburt genießt das Kind noch im ersten Lebensjahr einen gewissen Schutz, denn da reift sein Immunsystem aus.  

Nahrungsmittel können schützen

Einen weiteren Schutz vor Allergien können möglichst unverarbeitete Lebensmittel bieten, denn die enthalten vermehrt bakterielle Bestandteile, die das Immunsystem modulieren, z.B. Rohmilch.

"Momentan untersuchen Wissenschaftler noch genauer, welche Substanzen entweder in der Luft oder in den Lebensmitteln diesen Schutz vor einer Allergie bieten, denn die könnte man dann vielleicht der Allgemeinbevölkerung z.B. in Form eines schützenden Sprays zur Verfügung stellen."

Oliver Fuchs, Oberarzt, Facharzt Pädiatrie und Allergologie, in Weiterbildung pädiatrische Allergologie und Immunologie, am Inselspital, Universitätsspital Bern (Schweiz)

Risiko minimieren

Allerdings gibt es auch auf einem Bauernhof Kinder mit Pollenallergie. Für sie ist es besonders schwierig, denn sie sind den möglichen Auslösern akuter Symptome ständig ausgesetzt. Grundsätzlich gibt es in Deutschland allerdings klare, ärztliche Leitlinien, wie man Allergien verhindern kann. Dabei unterscheidet man wiederum, ob ein Kind Verwandte mit einer Allergie hat, und wenn ja, welche das sind.

Stillen

Um Allergien bei Kindern zu vermeiden, raten Mediziner heute vor allem zum Stillen bis zum vierten Lebensmonat. Da das aber nicht allen Frauen möglich ist, weil sie beispielsweise krank sind oder nicht stillen wollen, raten Fachärzte zur Pulvernahrung, die man auflösen kann.

"Hier unterscheidet man wieder zwischen Kindern mit und ohne Risiko in der eigenen Familie. Besteht kein Risiko, dann empfehlen wir normale Nahrung, im anderen Fall eine hypoallergene Variante mit sehr kleinen Proteinen, so dass das Risiko, eine Allergie gegen Lebensmittel zu entwickeln, minimiert wird."

Oliver Fuchs, Oberarzt, Facharzt Pädiatrie und Allergologie, in Weiterbildung pädiatrische Allergologie und Immunologie, am Inselspital, Universitätsspital Bern (Schweiz)

Ausgewogene Ernährung

Während Kinderärzte bei Schwangeren und Kleinkindern früher vor potentiell Allergie auslösenden Substanzen gewarnt haben, wie sie z.B. in Nüssen oder Fisch vorkommen, ist man heute davon komplett abgekommen. Sowohl Mutter als auch Kind sollten sich statt dessen ausgewogen ernähren, wobei Eltern beim Kind nacheinander alles vorsichtig ausprobieren können, um am Ende zu wissen, welches Nahrungsmittel eventuell problematisch ist.

Definitiv schädliche Substanzen meiden

Ganz allgemein abzuraten ist vor allem von aktivem und passivem Rauchen, von Schadstoffen in der Innenraumluft (zum Beispiel Schimmelpilz in der Wohnung) und solchen, die von außen kommen (z.B. durch Straßenverkehr). All dies kann Allergien begünstigen. Überlegen Eltern, die selbst eine Allergie haben, ob sie für das Kind ein Haustier anschaffen, dann sollten sie besser keine Katze in Erwägung ziehen, denn die hat ein gewisses Potential, eine Allergie auszulösen.

Generelle Tipps

Genau wie bei der Ernährung raten Mediziner heute dazu, Kinder möglichst früh, aber vorsichtig mit allen potentiell allergieauslösenden Stoffen in Kontakt zu bringen, so dass ihr Immunsystem quasi lernen kann.

Diagnose Pollenallergie

Haben Eltern allerdings den Verdacht, ihr Kind entwickelt eine Pollenallergie, dann sollten sie das unbedingt vom Arzt abklären lassen und nicht etwa auf eigene Faust mit frei verkäuflichen Medikamenten herumprobieren. Der Arzt kann dann mit Hilfe eines Blut- und/oder Hauttests und genauen Befragungen feststellen, ob und wenn ja wogegen das Kind allergisch ist und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie einleiten.


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