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Modulation des Immunsystems Arten der Hyposensibilisierung

Generell erfolgt eine Hyposensibilisierung entweder per Spritze, über Tropfen oder Tabletten. Das Prinzip dabei ist immer gleich: Man führt dem Körper das Allergen wiederholt und in immer höheren Dosierungen zu, so dass er dagegen wieder eine Toleranz entwickeln kann. Ziel ist, die Symptome zu reduzieren, ein Ausbreiten der Allergie auf weitere Stoffe zu verhindern und auf lange Sicht dafür zu sorgen, dass aus der Pollenallergie kein allergisches Asthma wird.

Stand: 22.09.2018

Allergietest am Unterarm | Bild: picture-alliance/dpa

Eine Erfolgsgarantie gibt es bei der Therapie allerdings nicht. Manche Patienten sind sehr zufrieden, andere mäßig und wieder andere kaum. Der Erfolg kann auch ausbleiben, weil Ärzte gegen das falsche Allergen hyposensibilisieren. Aber eine Alternative zur Hyposensibilisierung gibt es bislang noch nicht.

"Die effektivste Methode, die wir auch bei den Kindern am häufigsten einsetzen, ist tatsächlich die regelmäßige Hyposensibilisierung. Sie ist die Therapieform, die den größten Erfolg darstellt, weil sie die Erkrankung tatsächlich abmildern oder eventuell sogar ‚ausheilen‘ lassen kann."

Dr. Oliver Fuchs, Oberarzt, Facharzt Pädiatrie und Allergologie, in Weiterbildung pädiatrische Allergologie und Immunologie, am Inselspital, Universitätsspital Bern (Schweiz)

Immunsystem wird moduliert

Im Laufe einer Hyposensibilisierung verlernt der Körper quasi, die entsprechenden Antikörper zu produzieren, die mit dem Allergen reagieren.  Außerdem stellen die Zellen im Körper, die vorher Immunglobulin-E produziert haben, von einem gewissen Zeitpunkt ab immer weniger Immunglobulin-E und immer mehr Immunglobulin-G her. Das fängt das Allergen ab, es kommt nicht zu einer allergischen Reaktion. Dieser Prozess ist langwierig und dauert rund drei Jahre.

Darreichungsformen

Der Vorteil bei einer Hyposensibilisierung per Spritze ist, dass Patienten in regelmäßigen Abständen sich beim Arzt vorstellen, und dieser gegebenenfalls die Therapie anpassen kann, sollten unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Die sublinguale Therapie, bei der Tropfen unter die Zunge geträufelt werden und die Tablettentherapie erfolgen zu Hause. Beginnt es zum Beispiel, im Mund oder Rachen zu jucken, ist das für viele Patienten ein Zeichen, die Behandlung abzubrechen.

Erfolg

Sind Pollen von Hasel, Erle oder Gräsern der Auslöser des Heuschnupfens, dann beobachten Mediziner häufig schon im ersten Jahr nach einer Hyposensibilisierung, dass sich die Symptome verbessern. Das steigert die Motivation, weiter zu machen. Häufig brauchen die Patienten dann auch weniger Medikamente.

Nebenwirkungen

Zu den bekannten Nebenwirkungen bei einer Hyposensibilisierung zählen leichte Rötungen und Erwärmung der Einstichstelle bei der Behandlung mit einer Spritze. Bei Tropfen kann es zu Juckreiz in der Mund- oder Rachenschleimhaut kommen. Treten andere Symptome auf, sollten Patienten das unbedingt dem Arzt mitteilen, so dass die Therapie gegebenenfalls verändert werden kann.

Auffrischung

Eine Allergie samt ihrer Muster und Auslöser ist nie statisch, neue Allergene können sich dazu gesellen, gegen die ein Patient reagiert, andere werden weniger bedeutend. Deswegen kann es vorkommen, dass zum einen die Wirkung einer Hyposensibilisierung nachlässt, das Immunsystem verlernt wieder, nicht zu reagieren. Oder es kommen neue Allergene dazu, die Schwierigkeiten bereiten. Deswegen kann es sein, dass man eine Hyposensibilisierung wiederholen muss.

Leitlinien

Grundsätzlich gibt es zur Verhinderung und Behandlung von Allergien in Deutschland seit 2014 klare Leitlinien, die regelmäßig überprüft werden.


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