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Wirkweise von Gräserpollen Immunsystem unterscheidet nicht

Da bei uns unzählige Gräser wachsen, deren Pollen mit nur wenigen Ausnahmen (wie z.B. Riedgras) gefährlich werden können, haben es zwischen Ende April und Mitte September viele Betroffene schwer, Gräserpollen sind die Allergieauslöser Nummer eins in Deutschland.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 22.09.2018

Grashalme, im Hintergrund eine Frau, die sich schneuzt | Bild: imago/Pressefoto Kraufmann&Kraufmann

Gräserpollen ähneln sich zwar äußerlich, im Inneren sind sie jedoch verschieden aufgebaut – allerdings erkennt das humane Immunsystem den Unterschied nicht. Gemeinsam ist allen Gräsern, dass sie erst im Laufe der Saison das Hauptallergen P5 produzieren, das den Patienten zu schaffen macht. Das bedeutet, die Gräserpollen, die zu Beginn des Jahres fliegen sind noch harmlos. Verglichen mit den Pollen der Birke sind Gräserpollen riesig (40 µ-Meter) (=40-6 m) und kugelrund, ihre Außenhaut ähnelt der einer Orange.

Unterteilung

Weltweit unterteilen Allergologen die Pflanzen in so genannte C-3 und C-4-Gräser. Die der Gruppe C-3 wachsen in den tropischen Regionen der Erde, die der Gruppe C-4 in den gemäßigten Breiten. Wer also in Deutschland auf Gräserpollen (C-4-Gruppe) allergisch reagiert, für den sind potentiell weltweit alle Gräser in gemäßigten Zonen gefährlich.

Auch in großer Höhe

In Süddeutschland fliegen Gräserpollen zwischen Ende April und Mitte September - auch im Gebirge.

"Wir haben auf der Zugspitze gemessen und haben auch dort noch Gräserpollen gefunden, wenn auch in geringer Menge. Dort wächst zwar kaum noch Gras, doch der Wind trägt die Pollen vom Tal herauf."

Prof. Jeroen Buters vom Zentrum Allergie & Umwelt, kurz ZAUM, der TU München.

Aggressive Gräserpollen

Wissenschaftler vermuten, dass Gräserpollen aggressiver werden, wenn sie durch Feinstaub belastet sind und Mitarbeiter des ZAUM fanden erste Hinweise darauf, dass stärker verschmutze Gräserpollen mehr Allergene frei setzen. Eindeutig bewiesen ist dieser Zusammenhang aber noch nicht.

Gräserpollen weltweit - Tipps für den Urlaub

Wenn Pollenallergiker in den Urlaub fahren, können sie nur selten davon ausgehen, dass sie dort verschont sind. Die meisten müssen immer ihre Medikamente oder das Asthma-Spray dabei haben. Denn z.B. bei Gräserpollen unterscheidet man grob zwischen zwei Gruppen: tropische Gräser und solche, die in gemäßigten Zonen wachsen. Aber alle sind sich alle molekular sehr ähnlich, sind zueinander kreuzreaktiv.

"Deswegen können Gräserpollen-Allergiker tatsächlich weltweit Symptome bekommen, auch wenn z.B. ein neuseeländischer Gräser-Allergiker nicht zwingenderweise auf das norwegische Gras reagieren wird."

Dr. Adam Chaker, Leiter der Allergieambulanz und HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München

Und wer meint, im Hochgebirge sei man als Pollenallergiker auf der sicheren Seite, der irrt, die Anzahl der Pollen ist zwar geringer, aber völlig verschwunden sind sie nicht.

"Wir haben unter anderem auf der Zugspitze auf 2600m gemessen. Dort wächst ja kaum noch Gras. Aber der Wind rauscht einfach den Berg hoch und nimmt die Pollen aus dem Tal mit. Deswegen könne Allergiker trotzdem ihre Symptome bekommen."

Prof. Jeroen Buters vom Zentrum Allergie & Umwelt, ZAUM, der TU München

Immerhin weiß man inzwischen, dass die mediterranen Gräser (z.B. in Spanien und Portugal) weniger Allergene freisetzen als in Frankreich - gut für Allergiker. Bekannt ist auch, dass in Deutschland in letzter Zeit die Menge an Gräserpollen rückgängig war - die Hintergründe sind jedoch noch nicht erforscht. Generell können für Pollenallergiker alle Gräser mehr oder weniger unangenehm werden, zu den wenigen Ausnahmen zählt z.B. das Riedgras am Ufer von Gewässern.


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