Bayern 2


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Politischer Streit in der Familie Populistischen Äußerungen etwas entgegensetzen

"Wir werden alle zwangsislamisiert", "Migranten vergewaltigen unsere Frauen", "Flüchtlinge sind krimineller als Deutsche": Wer solche Behauptungen verbreitet, sollte am besten mit Respekt und vielen interessierten Gegenfragen auf eine persönlichen Ebene zurückgeholt werden, rät Martin Becher, vom Bayerischen Bündnis für Toleranz.

Von: Isabelle Hartmann

Stand: 10.12.2018

Eine Frau streitet sich mit einer älteren Dame vor dem Weihnachtsbaum. | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn entfernte Verwandte sich zum Beispiel an Heiligabend am selben Tisch zusammenfinden, ist politischer Streit keine Seltenheit. Besondere Sprengkraft bergen die Dauerreizthemen "Migration" und "Flüchtlinge", denn die Fronten sind dort oft sehr verhärtet.

Martin Becher, Geschäftsführer vom Bayerischen Bündnis für Toleranz, rät dennoch, rechtsextreme Äußerungen nicht ohne Widerspruch im Raum stehen zu lassen. Dabei sollte man ruhig und sachlich bleiben und zu allererst zwei Fallen vermeiden.

Falle Nr. 1: "Das darf man nicht sagen!"

Damit begebe man sich auf eine moralisch-bewertende Ebene, und gebe dem Gegenüber den Eindruck überlegen zu sein.

Falle Nr. 2: Parolen mit Fakten entkräften wollen

Man solle versuchen, sich vom Druck zu befreien, alles richtig stellen zu müssen. Das bringe in den meisten Fällen eh nichts, so Becher, weil darauf mit "Themen-Hopping" reagiert wird - es werden also andere Reizthesen angesprochen. Um Argumente gehe es bei solchen Streits nicht.

Martin Becher empfiehlt, einen ganz anderen Weg zu gehen, um "richtig" zu streiten:

Tipp 1: Zwischen Person und Position unterscheiden

Treten Sie Ihrem Gegenüber immer mit Respekt entgegen - auch, wenn die Positionen unvereinbar scheinen.

Tipp 2: Interesse zeigen

Oft würden sich Menschen von der Politik nicht mehr wahrgenommen fühlen, so Martin Becher. Interesse zeige man am besten, indem man viele Fragen stelle. Wo habe man dies gelesen, was sei die persönliche Erfahrung damit, was mache einem Angst dabei... Man solle also nicht maßregeln, sonst käme gleich ein Gegenangriff.

Tipp 3: Seine eigene Erfahrung entgegenstellen

Man solle möglichst versuchen, die Diskussion auf einer persönlichen Ebene zu führen, um Verallgemeinerungen zu vermeiden. Den Erfahrungen des Streitpartners sollte man seine eigenen gegenüberstellen. Wenn diese nicht akzeptiert werden, bzw. man selber angegriffen und beleidigt wird, sollte man aber klarmachen: Eine respektlose Diskussion führt man nicht weiter.


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