Bayern 2


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Geschichten von Gift- und Glückspilzen Die Schwammerl-Narrischen

Zwischen Stein- und Satanspilz: Schmackhafte Schwammerl haben wird zum Fressen gern, giftige werden uns gefährlich. Pilze suchen kann eine Sucht werden – sie zu finden, ein rauschhaftes Erlebnis. Und aus manchen kann man sogar Hüte machen.

Von: Bernhard Setzwein

Stand: 14.09.2019 | Archiv

Es ist Herbst in den bayerischen Wäldern. Neblig und gut feucht, aber Gott sei Dank noch nicht zu kalt. Normalerweise müssten sie jetzt prächtig wachsen, die Fette Henne und der Hallimasch, der Zigeuner und die Reherl. So ein Eintreten in den Wald ist immer auch das Eintreten in ein wundersames Reich. In das der Pilze nämlich. Eigentlich kann man sie gar nicht verfehlen ...

Pflanzen oder Tiere?

Lange Zeit hat man nicht gewusst, wo man sie überhaupt einordnen soll, im Reich der Pflanzen oder doch eher im Reich der Tiere.

Chlorophyll haben sie keins, ihren Energiebedarf gewinnen sie, indem sie andere abgestorbene Lebewesen verdauen und das wiederum tun sie, indem sie ein oft kilometerweites Gespinst feinster Fäden ausbilden, ein unterirdisches Mycel.

An einigen Stellen lassen sie ihre Fortpflanzungsorgane in die Höhe schießen, das sind dann jene "Männlein, die im Walde stehn" und den Schwammerlfreund so überaus erfreuen.

1,5 Millionen verschiedene Pilzarten

Unglaubliche Artenvielfalt: hier der Tintenfischpilz (Clathrus archeri)

Mittlerweile gibt es in der Biologie längst ein eigenes "Reich der Pilze" - ein wundersames, kaum auszuforschendes Reich.

Unendlich scheint die Vielfalt, Mykologen gehen davon aus, dass es 1,5 Millionen unterschiedliche Arten gibt.

Wer einmal vom Schwammerl gebissen worden ist, hat also zu tun, für den Rest seines Lebens ... mit dem Suchen, Entdecken, Bestimmen und möglichst genussvollen Verzehren.

Von der Leidenschaft des Schwammerlsuchens

Leidenschaftlicher Pilzesammler

In Bayern mit seinen vielen Wäldern haben Schwammerl-Narrische ein ideales Revier. Bernhard Setzwein hat einige von ihnen begleitet.

Er hat erfahren, warum jeder wahre Pilzsucher so ein Geheimnis um "seine Plätze" macht. Er hat sich von der "Huadersau" erzählen lassen, einem Baumpilz, aus dem man sogar Hüte machen kann, und bald hat er angefangen, selber etwas von jener Leidenschaft zu spüren, die bei bestimmten Menschen regelmäßig mit dem ersten feucht-warmen Schwammerlwetter ausbricht und dann fast das ganze Jahr andauert.

"Literarische Pilze"

Handkea excipuliformis, einer der nach dem Schriftsteller Peter Handke benannten Pilze

Und schließlich hat er auch noch in der Literatur nachgeschaut und bemerkt, dass es nicht wenige Autoren gibt, für die das Judasohr oder die Totentrompete ist, was für Marcel Proust die Madeleine war.

Zwei Stäublinge sind sogar nach einem mykologisch sehr bewanderten Schriftsteller benannt: "Handkea excipulifornis" und "Handkea utrifornis".

Wir laden ein zu einer akustischen Entdeckungsreise ins Reich der Schwammerl und der Schwammerl-Narrischen.


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