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Time Magazine #MeToo-Bewegung ist Person des Jahres

Nicht Donald Trump, nicht Kim Jong-un – sondern so ziemlich das Gegenteil wurde vom Time Magazine zur "Person des Jahres" gekürt: Die #MeToo-Bewegung und damit die Frauen, die sich gegen sexuelle Belästigung in Kultur und Politik wehren.

Von: Kai Clement

Stand: 06.12.2017

Donald Trump war in der engeren Auswahl, genauso wie Kim Jong-un: Statt dieser Machthaber aber hat das Time Magazine eine Bewegung zur "Person des Jahres" gekürt, die sich gegen Machtmissbrauch wendet: #MeToo – die Kampagne gegen sexuelle Übergriffe von Männern. Time-Chefredakteur Alan Murray erklärt, damit sei eine der "schnellsten Veränderungen in unserer Kultur seit den 60er-Jahren freigesetzt worden".

Als die Entscheidung bekannt gegeben wird, sitzt Tarana Burke im NBC Studio zu Gast in der Today Show. So etwas, sagt die Mitbegründerin des #MeToo-Konzepts, habe sie sich niemals ausmalen können. Die Welt habe sich verändert. Dabei habe sie doch erst einmal nur ihre eigene Community verändern wollen.

Es ist dasselbe Fernsehstudio, in dem vor genau einer Woche ein weiteres Drama um sexuellen Missbrauch öffentlich wurde: Savannah Guthrie erfährt live während ihrer Sendung, dass ihr langjähriger Kollege, Fernseh-Moderator Matt Lauer, soeben gefeuert wurde. Hintergrund auch hier: sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz. "Das bricht mir das Herz", sagt Guthrie, "das gilt Matt, meinem guten Freund und Kollegen, und das gilt der mutigen Kollegin, die ihre Geschichte erzählt hat. Das gilt all den anderen Frauen, die ähnliche Geschichten zu berichten haben."

Auch wenn Tarana Burke das #MeToo-Konzept schon vor über zehn Jahren begründet hat: Die Kampagne und ihr Hashtag haben mit den Skandalen um Prominente in den letzten Wochen eine ganz andere Öffentlichkeit bekommen. Begonnen hat es im Oktober mit dem Filmproduzenten Harvey Weinstein und es dürfte mit den Beschuldigungen gegen den langjährigen Dirigenten der Metropolitan Opera James Levine – hier waren die mutmaßlichen Opfer junge Männer – noch lange nicht zu Ende sein.

Auch Tarana Burke sagt: "Das ist erst der Anfang. Ich habe immer gesagt: Das ist kein Moment. Das ist ein movement, eine Bewegung. Die braucht Zeit und entwickelt sich strategisch. Jetzt beginnt die Arbeit erst. Der Hashtag ist eine Deklaration – jetzt müssen wir loslegen und die Arbeit machen."

Das Cover des Time Magazins zeigt – anstelle vieler anderer möglicher Frauen – neben Tarana Burke unter anderem auch die Schauspielerin Ashley Eshat. Sie war eine der ersten, die Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung beschuldigt hatte. Und Weinstein war nur der erste große Skandal um die mächtigen Männer in Kultur und Politik, die ihre Position offenbar als Freibrief verstanden haben, Frauen sexuell zu belästigen, bis hin zur Vergewaltigung.

Das Time-Cover zeigt auch Taylor Swift, die erfolgreich den Radiomoderator David Mueller verklagt hat, der sie bei einem Interview begrapscht hatte. In einem Interview hat die Sängerin jetzt erklärt: Wenn ein Mann unter diesen riskanten Umständen mit einer so prominenten Frau derart umgeht – wie viel mehr würde er dann wohl einer jungen, verletzlerichen Künstlerin antun? Deshalb sei es ihr wichtig gewesen, den Vorfall anzuzeigen. Die neue Kultur, die der Time-Chefredakteur anspricht, bedeutet für Swift vor allem, Bewusstsein zu schaffen. Auch dafür, wie Eltern mit ihren Kindern reden, und wie Opfer mit ihren schlimmen Ergebnissen umgehen können.

Unter diesen können durchaus auch Jungen und Männer sein, wie die Beschuldigungen gegen den Schauspieler Kevin Spacey und gerade erst James Levine zeigen. Das Time Magazine nennt all diejenigen, die sich, ob unmittelbar oder erst nach langer Überwindung, zu Wort melden, die "Silence Breakers" – diejenigen, die das Schweigen durchbrechen.