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Patiententypen Lebenskrisen als Risiko

Gestresste Manager-Typen seien besonders gefährdet – das glaubten Forscher früher. Nun ist klar, dass unbewältigte Lebenskrisen entscheidend sind.

Von: Uli Hesse

Stand: 01.04.2019

Mann läuft gehetzt zu seinem Fluggate am Flughafen. | Bild: picture-alliance/dpa

Optimistische "Stehaufmännchen" haben die besten Heilungschancen bei koronaren Herzkrankheiten. Wer Lebenskrisen und Schicksalsschläge nicht mehr bewältigen kann, ist dagegen besonders gefährdet.

Der frühere Risiko-Patient: Typ A

In den 80er Jahren ging man vom sogenannten Typ A als Risikopatient aus. Man stellte sich einen leistungsorientierten Manager vor, der andere dominiert, nicht ausreden lässt und im Stehen isst. Immer auf dem Sprung, nicht gerade sympathisch und Herzinfarkt-gefährdet. Große Studien ergaben aber, dass dieses Verhalten kein größeres Herz-Kreislauf-Risiko voraussagt. Im Gegenteil, diese Patienten hatten sogar eine bessere Überlebenschance.

"Unsere Erklärung ist, dass dieser Menschentyp irgendwann Gegenwind bekommt, zum Beispiel durch Kollegen, die sich das nicht mehr länger gefallen lassen, und dann nicht mehr so weitermachen kann. Irgendwann kommt so ein Mensch dann in eine Situation wo er nicht mehr kann."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Der neue Risikopatient: Der Mensch in der Lebenskrise

Dieser Manager-Typ erleidet nicht wegen des täglichen Stresslevels seinen Herzinfarkt, sondern ein Knick in der Lebenslinie ist entscheidend: eine Lebenskrise wie Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, ein Todesfall oder vielleicht nur ein Umzug in eine andere Stadt. Er ist bereits so erschöpft, dass er einfach nicht mehr kann und braucht mehr und mehr Energie und Lebenskraft, um den Status Quo aufrechtzuerhalten. Typisch ist, dass Herz-Kreislauf-Gefährdete Arbeit mit nach Hause nehmen, weil sie nicht mehr fertig werden, obwohl sie früher alles schnell geschafft haben. Das ist der neue Risikopatient.

Der zweite Schlag als Auslöser

Viele merken erst, dass sie nicht mehr können, wenn ein zweiter dramatischer Schlag dazu kommt. Wenn man nach einer Scheidung den Arbeitsplatz verliert, oder in einen massiven Konflikt gerät, den er oder sie nicht mehr bewältigen kann. Im Alter wird man außerdem dünnhäutiger und reagiert stärker auf Stress. Dies alles führt bei den depressiv-erschöpften Herzpatienten zu einer kritischen Mischung, so dass sie in einer akuten Stresssituation viel stärker reagieren als die sogenannten Gesunden.

Gesunde "Stehaufmännchen"

"Dagegen beobachten wir bei Patienten, die eher 'optimistische Stehaufmännchen' sind, bei EKG-Messungen einen Stress-Puffer. Sie regen sich einfach nicht so auf, können mehr einstecken."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig


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