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Partnervermittlung Parship Wenige Kontakte für viel Geld

Die große Liebe im Internet zu suchen, ist mittlerweile gang und gäbe. Einer unserer Hörer hat es mit Parship probiert – und musste dafür Hunderte von Euro zahlen, trotz Widerrufsrecht. Klagen sind aussichtsreich.

Von: Isabelle Hartmann

Stand: 24.05.2019

Die Köpfe eines Paares sind sich ganz nah | Bild: colourbox.com

Wer im Internet auf Partnersuche geht, glaubt nur zu gern, die Liebe sei dann nur noch einen Klick entfernt. Erst recht, wenn man vermeintliche Profis in Anspruch nimmt. Nicht selten werben Partnervermittlungen damit, dass Algorithmen "passende" Menschen vorschlagen.

Doch als Neuankömmling auf einer solchen Plattform muss man zunächst herausfinden, ob diese Art der Partnersuche überhaupt zu einem passt. Nein, zu ihm passt das nicht, stellte einer unserer Hörer fest. Trotz Widerrufsrecht musste er an Parship Hunderte von Euro zahlen.

Der Schreiner aus München kennt die Plattform von der unübersehbaren Werbung, die Parship mithilfe von Plakaten macht. Darauf steht: Sie sei die beliebteste Partnervermittlung Deutschlands, alle elf Minuten würde sich darüber ein Single verlieben. Der 55-Jährige gibt seine Daten ein, legt ein Profil an - alles kostenlos.

"Und dann merkt man schnell: Mist, das reicht gar nicht. Ich kann weder gucken, wer ist da, Fotos z.B., noch kommunizieren. Und dann kommt ein Fenster: ,Wenn Sie sich für eine So-und-So-Mitgliedschaft entscheiden, können sie alles lesen und machen.'"

(Bayern 2-Hörer)

Scheinbar eindeutiges Widerrufsrecht

Was ihn letzten Endes bewegt, den Schritt in die kostenpflichtige Mitgliedschaft zu wagen, ist aber nicht nur das Versprechen, die kompletten Profile anderer Mitglieder sehen zu können, sondern auch noch ein anderes: "Dass man die Möglichkeit hat, zwei Wochen lang zurückzutreten. Ich habe gedacht, das mache ich, zwei Wochen reichen mir dicke, dann trete ich wieder zurück."

Er zahlt also die Jahresmitgliedschaft, 388 Euro, per Kreditkarte. Eine gute Woche lang probiert er dann die Plattform aus.

"Es waren vermutlich sechs sogenannte ,zustande gekommene Kontakte‘. Das ist ein Smiley oder man wird angeschrieben mit so einem Smiley. Auch wenn danach nichts mehr passiert. Und so war es auch: Ich hatte sechs Kontakte in acht Tagen."

(Bayern 2-Hörer)

75 Prozent der Jahresgebühr für zwei Wochen

Für unseren Hörer reichten zwei Wochen aus, um zu wissen: Diese Art von Partnersuche ist nichts für mich. Er kündigte also innerhalb der 14-tägigen Frist seine Jahresmitgliedschaft. Die Antwort von Parship kommt prompt:

Von den 388 Euro werden 75 Prozent einbehalten, also: 291 Euro. Unser Hörer fällt aus allen Wolken: Die Webseite ist TÜV-zertifiziert, scheint seriös zu sein und er hatte die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gut durchgelesen. Darin stand nichts von einer solch hohen Summe.

"Da stehen keine Zahlen, keine Prozent, gar nichts. Es stand, dass die Leistungen, die man innerhalb dieser zweiwöchigen Probemitgliedschaft in Anspruch nimmt, gemessen am Jahrespreis, den sie erheben, ,verhältnismäßig' in Rechnung gestellt werden."

(Bayern 2-Hörer)

Der Schreiner war also davon ausgegangen, Parship werde ihm zwei von den 52 Wochen des Jahres in Rechnung stellen – das wären dann rund 15 Euro. Doch das Onlineportal rechnet ganz anders ab. Auf Nachfrage des Verbraucherteams des Bayerischen Rundfunks erklärt die Plattform schriftlich: Sie geht von der Anzahl von Kontakten aus. Sieben Kontakte garantiert sie ihren Mitgliedern innerhalb eines Jahres.

"Diese Kontakte sind der wesentliche Kern und das Herzstück unserer Dienstleistung. Je nachdem, in welchem Maße ein Mitglied diese Dienstleistung innerhalb der Widerrufsfrist bereits genutzt hat, behält sich Parship vor, einen Anspruch auf Wertersatz geltend zu machen. Wenn ein Mitglied bis zum Widerruf keinen einzigen Kontakt zu anderen Mitgliedern hatte, muss auch kein Wertersatz geleistet werden, in diesem Fall wird also der komplette Produktpreis erstattet."

(Parship)

Da unser Hörer sechs Kontakte hatte, müsse er die Pauschale von 75 Prozent des Gesamtpreises zahlen, so Parship. Auch wenn er für die 291 Euro nur ein paar Smileys bekam.

Verbraucherzentrale kritisiert Abrechnungssystem

Julia Rehberg, Juristin bei der Verbraucherzentrale Hamburg, die sich mit Parship schon lange auseinandersetzt, sieht das Berechnungssystem der Plattform kritisch: "Im Prinzip wird ein anderer Vertrag abgewickelt, als das was ich abgeschlossen habe. Ich schließe einen Vertrag ab über eine bestimmte Laufzeit, sagen wir zwölf Monate. Und das heißt: Ich kann das zwölf Monate lang nutzen. Und wenn ich den Vertrag widerrufe, ist es nicht einzusehen, dass ich 75 Prozent dessen bezahle, was ich für die gesamte Laufzeit bezahlt hätte. Ich schließe einen Vertrag über eine Laufzeit und nicht über Kontakte."

Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte versucht, Parship wegen Irreführung verurteilen zu lassen. Das hat nicht geklappt und das unterstreicht Parship in jedem Schreiben. So bekommt der Verbraucher den Eindruck, die Berechnungsgrundlage der Plattform sei in Ordnung, und er habe kein Recht auf Erstattung. Aber: Jeder einzelne Verbraucher kann dennoch gegen Parship klagen und sein Geld zurückfordern. Und: Er hat sehr gute Chancen tatsächlich zu gewinnen. In vielen Fällen, sowohl in Deutschland als auch in Österreich, wurde Parship zur Erstattung verurteilt.

Tipps der Verbraucherschützerin:

  • auf kurze Mitgliedschaften achten
  • per Lastschrifteinzug zahlen oder monatlich überweisen. Auch wenn es zunächst ein bisschen teurer ist.

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