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Andere Therapien Was Parkinsonpatienten tun können

Pumpe oder Operation – das sind Therapiemöglichkeiten für Parkinson-Patienten, bei denen die Tabletten nicht genügen. Manchmal kann sich der Patient auch selbst die Spritze dafür setzen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 02.12.2018

Hirnschrittmacher für Parkinsonpatienten neben einer 2-Euro-Münze | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn bei einem Patienten die Medikamente nicht mehr ausreichend wirken, dann beginnen Neurologen eine Pumpen-Therapie oder chirurgische Alternativen zu erwägen.

Apomorphin-Pumpe

Mit Hilfe einer kleinen Pumpe und einer sehr feinen Nadel gelangt der Wirkstoff Apomorphin gleichmäßig ins Fettgewebe unter der Haut am Bauch. Der sogenannte Dopaminagonist geht auf diese Weise direkt ins Blut. Der Patient trägt die etwa siebenmal 5 cm große Pumpe an einem Gürtel oder Halsband mit sich herum. Bei Bedarf kann er selbst nachsteuern, um Wirkungsschwankungen zu vermeiden. Eine Operation ist nicht nötig.

Vorteil für den Patienten

Er kann die Nadel selbst anlegen und wieder herausziehen.

Levodopa-Pumpe

Auch die Vorläufersubstanz von Dopamin, die der Körper selbst in Dopamin umbaut, kann durch Infusion in den Körper gebracht werden. Dazu ist allerdings ein kleiner Eingriff notwendig: Im Rahmen einer Magenspiegelung wird durch die Bauchdecke ein kleiner Schnitt gemacht und dann eine künstliche Sonde in den Magen-Darm-Trakt geschoben, die im Dünndarm verbleibt.

"Mit dem Loch in der Bauchwand kann man vergleichsweise gut leben, es bedarf aber einer etwas intensiveren Pflege. Auch hier trägt der Patient die Pumpe immer mit sich herum, die er unter der Kleidung verbergen kann."

Neurologe Prof. Günter Höglinger

Tiefe Hirnstimulation ("Hirnschrittmacher")

Abbildung eines Hirnschrittmachers.

Reichen Medikamente nicht mehr, dann ziehen Ärzte einen neurochirurgischen Eingriff im Gehirn in Erwägung: Zwei Sonden werden im Gehirn implantiert, und zwar in Gebieten, die relativ tief im Gehirn liegen. Die Sonden geben ca. 130 Stromimpulse pro Sekunde ab und können dadurch die fehlerhaften Kreisläufe im Parkinson-Gehirn wieder optimieren.

"Es gibt verschiedene Areale im Gehirn, die man beim Parkinson stimulieren kann. Die meisten Erfahrungen hat man mit dem sogenannten subtalamischen Kern. Wenn das Zittern im Vordergrund steht, kann man auch an den Thalamus denken."

Neurologe Prof. Höglinger

Hirnschrittmacher im Alltag

Wie bei einem Herzschrittmacher, tragen Patienten mit einem Hirnschrittmacher ein kleines Kästchen unter der Haut unter dem Schlüsselbein. Das sorgt dafür, dass ständig hochfrequente Spannung an den Sonden im Gehirn anliegt. Die Struktur des Gehirns verändert sich dabei nicht, aber der Strom durchbricht wie eine Art Störsender das fehlerhafte Programm.

Wichtig: Für wen der Schrittmacher geeignet ist

Patienten über 70 Jahren wird in der Regel von diesem Eingriff abgeraten. Bei jüngeren Patienten ist die Chance deutlich besser, dass nach der Operation die Medikamente (und damit deren Nebenwirkungen) reduziert werden können und sich die Symptomatik verbessert. Das Risiko des operativen Eingriffs ist allerdings gegeben.

Erfolge des Hirnschrittmachers

Der Hirnschrittmacher ist etwa doppelt so groß wie ein Zwei-Euro-Stück.

Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2013 hat Patienten untersucht, die bereits im frühen Krankheitszustand eine Tiefe Hirnstimulation erhalten haben. Das erfreuliche Ergebnis: Die Beweglichkeit und Lebensqualität der Betroffenen war deutlich besser als bei alleiniger Therapie mit Tabletten.

Eigeninitiative gefragt

Die Initiative und Mitarbeit des Patienten ist in der Parkinson-Therapie wichtig. Patienten sollten ihren behandelnden Neurologen mindestens einmal im Jahr über ihren Gesundheitszustand informieren. Aber wenn die Medikamente nicht mehr ausreichend wirken oder Nebenwirkungen auftreten, sollten sie bereits früher den Arzt aufsuchen. Außerdem können Patienten mit Parkinson beispielsweise durch körperliche Aktivitäten wie Nordic Walking oder intensive Physio-, Ergo- und Logopädie den Verlauf ihrer Krankheit selbst positiv beeinflussen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, z.B. in einer Selbsthilfegruppe kann sehr hilfreich sein.


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