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Opfer des Klimawandels Glacier Nationalpark in Montana bald ohne Gletscher

Im Glacier Nationalpark, im Grenzgebiet zwischen dem Nordwesten Montanas und dem Süden der kanadischen Provinz Alberta, konnten Touristen Ende des 19. Jahrhunderts noch 150 Gletscher bewundern. Heute sind es nur noch 25. Und auch sie schmelzen so schnell, dass es im "Gletscher Nationalpark" wohl bald keine Gletscher mehr geben wird.

Von: Martin Ganslmeier, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 28.08.2018

Montana. Das sind die majestätischen Gipfel der Rocky Mountains, das sind riesige Prairie-Wiesen mit violetten und orangenen Wildblumen so weit das Auge reicht, dazu azurblaue Bergseen, die von Wasserfällen und rauschenden Gebirgsbächen gespeist werden. Die Flüsse und Bäche Montanas sind ein Paradies für Angler und Fliegenfischer. Hier liegt der Glacier Nationalpark.

Hier ist der Klimawandel schon deutlich sichtbar

Der Gletscher-Nationalpark umfasst ein Gebiet an der Grenze zwischen dem Nordwesten Montanas und dem Süden der kanadischen Provinz Alberta. 7.000 Jahre alt sind die Gletscher. An kaum einem anderen Ort in den USA hat der Klimawandel schon jetzt so deutliche Spuren hinterlassen.

Aufnahme von 2017: Waldbrand im Glacier Nationalpark

Mildere Winter in Montana sorgen für mehr Regen als Neuschnee in den mittleren Gebirgslagen. Die Sommermonate dagegen sind heißer und trockener als früher. Die Anzahl der Tage mit Temperaturen über 32 Grad Celsius hat sich in den vergangenen hundert Jahren verdreifacht. Auch die Waldbrand-Saison dauert länger. Galten Juli und August früher als schönste Wanderzeit im Nationalpark, ist es in diesen Monaten inzwischen entweder zu heiß oder es gibt zu viel Rauch durch die Waldbrände.

Gletscher vom Aussichtspunkt aus nicht mehr zu sehen

All diese Entwicklungen beschleunigen das Schmelzen der Gletscher. Noch Ende des 19. Jahrhunderts gab es 150 Gletscher im heutigen Gebiet des Glacier Nationalparks. Heute sind davon nur mehr 25 übrig. Wie schnell die Gletscher schmelzen, kann man an verschiedenen Aussichtspunkten im Glacier National Park beobachten. Auf Informationstafeln sind alte Fotos abgebildet, die exakt an derselben Stelle aufgenommen wurden. Während auf den alten Fotos die Giganten aus Schnee und Eis noch deutlich erkennbar sind, blickt man heute auf große Schneisen aus Fels und Geröll. Oder es sind völlig neue Seen entstanden, wo sich noch vor 30 Jahren die Zunge eines Gletschers befand.

Bewässerungsbäche versiegen bereits

St. Mary-Fälle: Gletscher sind die wichtigsten Wasserspender für Flüsse und Bäche

Nach den Ozeanen sind Gletscher die größten Wasserspeicher auf der Erde, und sie sind die wichtigsten Wasserspender für Flüsse und Bäche. Das allmähliche Verschwinden der Gletscher wird deshalb auch die Wasserversorgung in Montana gefährden, warnen Gletscher-Experten. Wegen der dünneren Schneedecke im Winter erfolgt die Schneeschmelze heute um bis zu vier Wochen früher als noch Mitte des 20. Jahrhunderts. Während sich die Farmer rund um den Nationalpark früher bis zum Ende des Sommers immer auf frisches Gletscherwasser verlassen konnten, versiegen die Bewässerungsbäche seit einigen Jahren bereits im August.

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