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Norwegen in zehn Büchern Unsere Empfehlungen

Bayern 2-Literaturredakteur und Moderator Knut Cordsen verfolgt die skandinavische Literatur seit Langem. Er hat Norwegen, das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, mehrmals besucht und vor Ort Autorinnen und Autoren interviewt. Hier sind seine Empfehlungen: zehn zeitgenössische Titel, die es besonders lohnt zu lesen.

Stand: 23.09.2019

Eine Empfehlungsliste von Knut Cordsen | Bild: colourbox.com, Galiani, Luchterhand, Piper, Avant, Suhrkamp, Residenz, C.H. Beck, Droschl, Hanser, Montage BR

Peter Christen Asbjørnsen & Jørgen Moe: Die Puppe im Grase (Galiani)

So wie Jacob und Wilhelm Grimm wanderten im 19. Jahrhundert Peter Christen Asbjørnsen undJørgen Moe durch die nordischen Lande und sammelten Volksmärchen. Herrlich schräge Märchen, in denen Aschenbrödel übrigens nicht weiblich, sondern stets männlich ist. Kat Menschik hat eine kleine Auswahl dieser Norske Folkeeventyr wunderbar illustriert. Aus dem Norwegischen übersetzt von Friedrich Bresemann. 80 Seiten. 12.99 Euro

Kjell Askildsen: Das Gesamtwerk (Luchterhand)

"Meine Geschichten haben keine Moral, das war mir immer das Wichtigste", sagte mir Kjell Askildsen bei einem Mittagessen in Oslo. Der 1929 geborene Übervater der norwegischen Gegenwartsliteratur ist ein Meister der Lakonie. Seine nun erstmals vollständig auf Deutsch vorliegenden Erzählungen umfassen oft nur wenige Seiten und sagen uns doch so viel mehr als manche dickleibigen Romane. Aus dem Norwegischen übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. 1.056 Seiten. 48 Euro  

Ebba D. Drolshagen: Gebrauchsanweisung für Norwegen (Piper)

Was wäre die norwegische Literatur ohne ihre deutschen Übersetzer? Ebba D. Drolshagen ist eine von ihnen, und als Tochter einer Norwegerin auch die ideale Führerin durch das nordische Sehnsuchtsland. Mit ihrer Hilfe erfährt man alles über die Durchschnittsnorweger "Kari und Ole Nordmann", für die es nicht nur beim Sex ein "Vorspiel" und "Nachspiel" gibt. 240 Seiten. 15 Euro

Martin Ernstsen: Hunger (Avant)

Knut Hamsun war der weltweit bedeutendste norwegische Autor des 20. Jahrhunderts. Oslo hieß in seiner Jugend noch Kristiania. Das Haus im Stadtteil "Vaterland", in dem er als Untermieter seinen Klassiker "Hunger" schrieb, haben die Norweger abgerissen. Der junge Graphic-Novel-Künstler Martin Ernstsen errichtet ihm mit feinsinnigem Strich ein Denkmal. Aus dem Norwegischen übersetzt von Ina Kronenberger. 220 Seiten. 30 Euro

Erika Fatland: Die Grenze (Suhrkamp)

Die Reisereporterin Erika Fatland verbringt die längste Zeit des Jahres außerhalb Norwegens. Für ihr jüngstes Buch hat sie ein Imperium umrundet und von den Rändern her erkundet: Russland, das flächenmäßig größte Land der Erde. Die Sozialanthropologin scheut keine Gefahr und führt auf ihre Weise fort, was Fridtjof Nansen und andere begonnen haben. Aus dem Norwegischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg. 624 Seiten. 20 Euro

Ida Hegazi Høyer: Trost (Residenz)

Das norwegische Wort für Trost lautet "trøst". So wie sich die Sprachen ähneln, tun es die Probleme. Egal ob in Berlin, Lissabon oder Brüssel: Die umherreisende Hauptfigur der hier versammelten drei Geschichten ist allein und sucht in der intimen Begegnung mit Zufallsbekanntschaften Trost. Den "Trost von Fremden", um mit Ian McEwan zu sprechen. Aus dem Norwegischen übersetzt von Alexander Sitzmann. 208 Seiten. 22 Euro

Roy Jacobsen: Die Unsichtbaren (C.H. Beck)

Diese Roman-Trilogie gilt in Norwegen als moderner Klassiker. Roy Jacobsen erzählt darin die Lebensgeschichte der Ingrid Barrøy, einer starken Frau, die viele Züge seiner eigenen Großmutter trägt. Eine großartige Insel-Saga, ein Gesang über eine raue, untergegangene Welt vor der Entdeckung der Erdölfelder in der Nordsee, die das Land nachhaltig veränderte. Aus dem Norwegischen übersetzt von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann. 612 Seiten. 28 Euro

Karl Ove Knausgård: So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche (Luchterhand)

Seine Jahreszeiten-Tetralogie haben bereits Künstler wie Anselm Kiefer mit Aquarellen illustriert. Nun schreibt Karl-Ove Knausgård über den melancholischsten aller norwegischen Maler: Edvard Munch. Eine so einfühlsame wie erhellende Annäherung – inklusive der Geschichte, wie Knausgård zum Besitzer eines Frauenporträts von Munch geworden ist. Aus dem Norwegischen übersetzt von Paul Berf. 288 Seiten. 24 Euro

Thure Erik Lund: Das Grabenereignismysterium (Droschl)

Dieser Autor lebt nahe Oslo auf dem Land. Er ist – wie seine Hauptfigur – ein Kleinbauer auf dem Traktor bzw. "philosophischer Agronom". In einem an Thomas Bernhard erinnernden Redestrom ergeht sich Lunds Eigenbrötler Tomas Olsen Mybråten in lauter so komischen wie phantastischen Gedanken über das moderne Norwegen, die Einsamkeit und die Liebe. Aus dem Norwegischen übersetzt von Matthias Friedrich. 296 Seiten. 23 Euro

Per Petterson: Männer in meiner Lage (Hanser)

Per Petterson ist der feinnervige Psychologe unter den norwegischen Schriftstellern. Ihm entgeht so wie seinem literarischen Alter Ego Arvid Jansen kein "Semaphor der Seele". Jedes ausgesendete Beziehungssignal registriert er. Hier erzählt er vom Scheitern einer Ehe nach 15 Jahren und einem Vater dreier Mädchen, der daran zu zerbrechen droht. Aus dem Norwegischen übersetzt von Ina Kronenberger. 288 Seiten. 22 Euro

Knut Cordsen

Bayern 2-Literaturredakteur Knut Cordsen | Bild: BR/privat

1972 in Kiel geboren und in Holstein aufgewachsen, war es 1992 für Knut Cordsen an der Zeit, den hohen Norden zu verlassen und zum Zivildienst gen Süden zu ziehen, was hieß: ins schon bekannte und geliebte München. Anschließend Studium und parallel hierzu Besuch der Deutschen Journalistenschule. Seit 1996 als Mitarbeiter in der Kulturredaktion von Bayern 2 hauptsächlich mit Literatur befasst. Moderiert seit 2000 und ist der Meinung, dass das, was man über den Äther schickt, sich nicht "versenden", sondern vielmehr ankommen sollte.


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