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Hintergrund Morbus Parkinson

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Parkinson Neue Forschungsvorhaben

Hilft Stammzelltransplantation gegen das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit? Oder ein Nikotin-Pflaster? Und wie kann man Morbus Parkinson früh feststellen?

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 02.12.2018

Symbolbild: Entnommenes Knochenmark in einer Kulturflasche | Bild: picture-alliance/dpa

Über Morbus Parkinson wird nach wie vor intensiv geforscht. Das Ziel ist, die Parkinson-Krankheit möglichst früh zu erkennen, idealerweise bevor motorische Probleme auftreten, und in diesem Zustand zu heilen. Davon ist man aber aktuell noch weit entfernt. Hier eine kleine Auswahl an Arbeiten die derzeit durchgeführt werden.

Biomarker zur Frühdiagnose

Seit Sommer 2009 läuft an der Kasseler Paracelsus-Klinik die Parkinson Langzeitstudie „DeNoPa“. Um Parkinson schon von den ersten Symptomen an zu verstehen, versuchen die Wissenschaftler herauszufinden, ob sich zum Beispiel Biomarker eigenen, welche Testverfahren und Untersuchungsmethoden wie erfolgsversprechend sind. Die Studie ist auf die Dauer von bis zu 20 Jahren angelegt.

Intelligentes Sensorsystem

Am Universitätsklinikum Erlangen wird derzeit ein Sensorsystem erprobt, das auch die kleinsten Veränderungen am Gangbild erkennt und mehr als 700 Merkmale wie z.B. Schritthöhe und -länge aufzeichnet. Das Gangbild kann Medizinern einen frühen Hinweis auf Parkinson liefern. Geplant ist, das Sensorsystem in eine Schuhsohle zu integrieren.

"Parkinson-Impfung"

Mittlerweile weiß man, dass das Eiweiß alpha-Synuclein bei der Parkinson-Krankheit verklumpt und sich im Gehirn der Patienten ausbreitet. Dies führt zu einer Fehlfunktion und zu einem Verlust von Nervenzellen, gefolgt von den typischen Parkinson Syndromen. In experimentellen Parkinson-Modellen konnte man zeigen, dass eine wiederholte Impfung mit Antikörpern gegen alpha-Synuclein diesen Mechanismus unterbrechen kann. An wenigen Parkinson-Patienten hat man mittlerweile auch zeigen können, dass diese Antikörper bei Menschen das alpha-Synuclein Eiweiß im Blut abfangen können. Nun wird im Rahmen einer internationalen großen Studie getestet, ob diese 'Parkinson-Impfung' den Verlauf der Erkrankung reduzieren kann. In München werden die Patienten in der Neurologischen Klinik der TUM betreut.

Medikamentenstudie gegen On-/Off-Schwankungen

In einer neuen Studie wird getestet, ob man On-/Off-Wirkschwankungen mit einem neuen Medikament besser in den Griff kriegen kann, bevor man die Tiefe Hirnstimulation wählt. Das Medikament ist in Japan bereits zugelassen und soll nun auch in Europa und den USA getestet werden. Neben anderen Zentren wird voraussichtlich auch die Neurologie der TUM an der Studie teilnehmen.

Warnung vor Heilsversprechen

Seit einigen Jahren gibt es Ansätze, Parkinsonpatienten mit Hilfe von Stammzellentransplantation zu therapieren. Unter wissenschaftlichen Rahmenbedingungen gab es einigermaßen erfolgreiche Tierversuche, doch bei Menschen waren die Ergebnisse nicht befriedigend, so dass dieser Ansatz nach wie vor kein Standardverfahren in der Parkinson-Therapie ist.

"Eine Stammzellentransplantation birgt Risiken und keinen sicheren Therapieerfolg. Wenn Patienten ein solches Verfahren angeboten wird, insbesondere wenn sie auch noch dafür bezahlen sollen, sollten sie sich dringend an einer Universitätsklinik beraten lassen."

Neurologe Prof. Höglinger

Die Parkinson Allianz München

Im süddeutschen Raum hat sich kürzlich ein Verbund aus Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), der Technischen Universität München (TUM), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Klinik Haag i. Ob. zusammengeschlossen. Die Parkinson Allianz München will sowohl die klinische Parkinson-Forschung ankurbeln, als auch wissenschaftliche Neuerungen für Parkinson-Patienten an die niedergelassenen Ärzte weiter geben.

Die Parkinson Allianz hat beispielsweise die sogenannte Promesa-Studie initiiert, die nun an vielen Zentren in Deutschland und Österreich durchgeführt wird: Bei Patienten mit einer besonders schwer und rasch verlaufenden Form eines Parkinson Syndroms (der sogenannte Multisystem Atrophie) wird getestet, ob man mit Grüntee-Extrakten den Krankheitsverlauf verlangsamen kann.

"Es ist schon ungewöhnlich und neu, dass man über die Universitätsgrenzen hinweg so eng zusammen arbeitet, wie wir das aktuell tun, denn traditionellerweise verstehen sich die Universitäten eher als Konkurrenten. Aber wir sehen, dass wir miteinander mehr erreichen als alleine. Das ist besser für die Forschung und für die Patienten."

Prof. Höglinger, TUM & DZNE, München


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