Bayern 2


2

Aktivisten gegen Energiekonzern Hambacher Forst: Naturschützer glauben an Rettung des Waldes

Im Hambacher Forst campieren Aktivisten und demonstrieren gegen den Energiekonzern. Der will dort Braunkohle schürfen. Dazu sollen bis zum März 160 Hektar Wald gefällt werden. Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz ist noch optimistisch, dass die Rodungen aufzuhalten sind.

Von: Uwe Pagels

Stand: 06.09.2018

05.09.2018, Nordrhein-Westfalen, Kerpen: Polizisten räumen Barrikaden beiseite. Wenige Wochen vor einer möglichen Rodung im Hambacher Forst hat der Energiekonzern RWE unterstützt von einem großen Polizei-Aufgebot Barrikaden in dem Wald weggeräumt. Foto: Jana Bauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Jana Bauch

radiowelt:  Möchten Sie die Rodungen noch irgendwie aufhalten?

Dirk Jansen: Ja, wir sind auch optimistisch, dass uns das gelingen wird. Denn es sind noch diverse Klagen des BUND gegen das Land Nordhrein-Westfalen und gegen RWE anhängig. Es geht um Naturschutzfragen, um die Frage, darf dieser einzigartige Walf überhaupt für einen heute überflüssigen Energieträger gerodet werden? Und wir sind optimistisch, dass wir letztendlich vor Gericht Recht bekommen werden. Sodass ich schon die Prognose wage, dass zumindest zum ersten Oktober, so wie von RWE geplant, kein Baum gerodet wird.

radiowelt: Das Ganze ist ja genehmigt – woran hängt sich Ihre Klage auf?

Dirk Jansen: Das ist so nicht richtig. Es wird zwar immer versucht, den Anschein zu erwecken, als gäbe es rechtskräftige Genehmigungen, aber dem ist nicht so. Der BUND klagt zum einen gegen die Fortführung des Tagebaus ab dem Jahr 2020, und er klagt aktuell gegen die derzeitige bergrechtliche Zulassung für die nächsten zwei, drei Jahre, die auch die Rodung des Waldes umfasst. Im Eilverfahren sind wir in der ersten Instanz zwar gescheitert, aber jetzt liegt das Verfahren beim Oberverwaltungsgericht, und wir sind optimistisch aufgrund der Hinweise, die von dort kommen, dass wir uns hier eventuell durchsetzen werden. Klar ist jedenfalls: Solange das Gerichtsverfahren läuft, wäre es ein Skandal, wenn RWE anfangen würde, Fakten zu schaffen, indem jetzt die Kettensägen rausgeholt werden.

radiowelt: Andreas Pinkwart, der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister, hat gesagt: "Der Braunkohletagebau muss sich entwickeln. Die Wärmeversorgung in diesem Land ist von der Braunkohle zentral abhängig." Wie sehen sie das?

Dirk Jansen: Unser Energieminister beweist nicht gerade energiepolitischen Sachverstand. Das muss man so knallhart sagen. Wir brauchen die Braunkohle heute zur Energieversorgung nicht, die Versorgungssicherheit wäre auch gewährleistet, wenn wir morgen den Tagebau Hambach stilllegen würden. Die Lichter gingen dann weder in Nordrhein-Westfalen noch in Bayern aus. Wir haben massive Überkapazitäten auf dem Strommarkt. Braunkohlestrom wird heute überwiegend ins Ausland exportiert, dazu ist er natürlich der klimaschädlichste aller Energieträger mit vielen ökologischen Folgewirkungen – ganz zu schweigen davon, dass noch tausende Menschen jetzt im 21. Jahrhundert für die Braunkohle umgesiedelt werden sollen. Also: Es spricht eigentlich gar nichts mehr für die Braunkohle, weshalb wir so schnell wie möglich aus diesem Energieträger raus müssen.

radiowelt: Warum beharrt dann RWE auf dem Abbau?

Dirk Jansen: Es gibt ein ganz starkes Geflecht zwischen FDP, CDU und RWE – allerdings auch große Teile der SPD halten in Treue fest zu der Braunkohle. Hier geht es letztendlich um die Systemfrage: Wollen wir eine dezentrale Energiewende im Hinblick auf erneuerbare Energien, von unten getragen, von Genossenschaften, von Landwirten, von Bürgern, von kleinen Gesellschaften? Oder wollen wir weiterhin die Großkonzerne wie RWE mit ihrem vollkommen verfehlten Geschäftsmodell päppeln? Die Politik hat sich überwiegend für die Stützung des RWE, dieses Dinosauriers der Energiewirtschaft ausgesprochen – ich halte das für verantwortungslos.


2