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Venen-Hilfe Naturheilkunde bei Krampfadern & Co.

Zusätzlich zur Kompressionstherapie helfen pflanzliche Medikamente, Kneipp-Anwendungen, Ausdauertraining, ein geregelter Stuhlgang und eine bessere Atmung.

Von: Uli Hesse

Stand: 10.12.2019

Jemand steigt gerade aus einem Kneipp-Becken. | Bild: picture-alliance/dpa

Während bei den arteriellen Durchblutungsstörungen die Gefäße an Elastizität verlieren und dadurch enger werden, geschieht bei den Venen das Gegenteil: Durch eine Bindegewebsschwäche weiten sich die Venen aus. Daher geht es bei den Venen nicht um eine Durchblutungsstörung, sondern um Probleme mit dem Rückfluss zum Herzen und der dadurch verursachten Stauung.

Das Ziel ist es, den venösen Rückfluss wieder zu verbessern. Die oberflächlichen Venen weiten sich, so dass sich die Venenklappen nicht mehr schließen können und sich das Blut in den Beinen staut. Man versucht also, eine Ödembildung zu vermeiden, denn diese bereitet dem Patienten Beschwerden wie müde Beine, Wadenkrämpfe und Spannungsgefühle.

Auch bei Venenproblemen gibt es verschiedene Stadien, in denen unterschiedlich behandelt werden muss: In frühen Stadien lässt sich eher mit konservativen Maßnahmen eingreifen - sei es medikamentöser als auch nichtmedikamentöser Natur.

"Hat der Patient bereits das fortgeschrittene Stadium einer chronisch venösen Insuffizienz erreicht - wobei die Beine durch die Wassereinlagerungen anschwellen, gerötet sind, jucken und sich entzünden – dann lässt sich das schwieriger behandeln."

Dr. Artur Wölfel

Pflanzliche Präparate

Aus der Pflanzenheilkunde eignen sich Medikamente, die Gefäße abdichten, ihre Durchlässigkeit vermindern und damit Wassereinlagerungen verhindern. Sie sollten außerdem entzündungshemmend wirken.

Voraussetzung dafür sind standardisierte naturheilkundliche Präparate mit definiertem Wirkstoffgehalt. Außerdem müssen sie ausreichend hoch dosiert und kurmäßig angewendet werden. Patienten benötigen Geduld. Doch die meisten geben auf, wenn sie nach zwei bis drei Wochen noch keine Wirkung sehen. Die Ödemneigung verringert sich allerdings erst nach zwei bis drei Monaten. Den gefäßstabilisierenden Effekt erkennen Patienten an einem niedrigeren Spannungsgefühl, geringerem Brennen und weniger Wadenkrämpfen.

Typische Präparate enthalten Rosskastaniensamen, Roten Weinlaub, Steinklee und den Wurzelstock des Mäusedorns. Als Salbe dienen sie eher der Hautpflege oder zur lokalen Kühlung. Geduldige Patienten profitieren von der inneren Anwendung in den frühen Stadien. Je fortgeschrittener das Stadium, umso schwieriger ist die rein medikamentöse Behandlung, aber naturheilkundlich ausgebildete Ärzte empfehlen sie trotzdem als zusätzliche Maßnahme.

Kompressionstherapie

Diese Behandlung ist ausgesprochen wichtig und wird auch von der Schulmedizin standardmäßig genutzt. Dabei wird auf die Vene Druck ausgeübt, so dass sie sich nicht ausweiten kann und der venöse Rückfluss wieder vernünftig funktioniert. Daher passt man nach einer Lymphdrainage – wobei die Beine entstaut werden – die Kompressionsstrümpfe an.

"Allerdings tolerieren maximal 50 Prozent der Patienten diese Maßnahme: Weil Kompressionsstrümpfe umständlich sind, weil sie im Sommer jucken können, weil viele Patienten zusätzlich an Begleiterkrankungen leiden, so dass sie Schwierigkeiten haben, die Kompressionsstrümpfe überhaupt anzuziehen."

Dr. Artur Wölfel

Geregelter Stuhlgang

Auch der Druck im Bauchraum beeinflusst den venösen Rückfluss. Ein geregelter Stuhlgang begünstigt dies; Verstopfung und Blähungen verschlechtern ihn. Bei übergewichtigen Menschen kann das Bauchfett wie ein schwerer Medizinball auf die Venen im Bauchraum drücken und den Rückfluss erschweren. Also sollte auch eine Gewichtsreduktion versucht werden.

Atemtechnik

Nicht nur die Beinmuskulatur, sondern auch bewusstes Ein- und Ausatmen kann eine Sog- und Pumpwirkung auf die Beinvenen ausüben. Wer übers Zwerchfell atmet, nutzt seinen Bauchraum und ermöglicht dadurch diesen Sog nach oben.

Ausdauertraining

Regelmäßiges Ausdauertraining regt die Muskelpumpe an, so dass die Wadenmuskulatur das Blut zurückpumpt. Durch die Stärkung der Herz-Kreislauf-Tätigkeit kommt es gleichzeitig zu einer Sogwirkung hin zum Herzen.

Aquajogging

Aquajogging ist eine besondere Form des Ausdauertrainings: Eine Bewegungstherapie im Wasser mit einer Pendelbewegung der Beine, wenn man im Wasser nicht mehr stehen kann. Das Besondere daran ist, dass Patienten unter Anleitung dabei nicht nur die Beine bewegen und die Muskelpumpe betätigen, sondern dass das Wasser auf die Muskulatur drückt und damit den venösen Rückfluss begünstigt.

Kneipp-Anwendungen

Kneipp-Anwendungen gehören zu den Hauptelementen der Naturheilkunde: Als Wechselgüsse oder kalt-warmes Fußbad bieten sie quasi eine Gymnastik der feinen Nerven und der Gefäßwand. Dabei darf der Wärmereiz nie zu heiß sein, denn die Venen sind bereits erweitert. Der Kältereiz führt zu einem Zusammenziehen der Venenwand und fördert damit deren Elastizität.


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