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Narben Entstehung und Formen

Je nach Wundheilung, Veranlagung und Körperstelle können nach einer Verletzung ganz unterschiedliche Narben entstehen, vor allem die Wulstnarben und vertieften Narben.

Von: Uli Hesse

Stand: 24.02.2020

Genähte Wunde, Wundnaht mit Fäden und Steristrips nach Leistenbruch Operation | Bild: picture-alliance/dpa

Es gibt keine verlässlichen Zahlen, wie viele Menschen an schweren Narben leiden, da nur wenige Menschen deswegen den Arzt aufsuchen. Das Risiko für eine starke Vernarbung steigt, wenn die Wundheilung verzögert ist oder – wie bei Akne - die Haut lange Zeit entzündet ist. Auch hormonelle und genetische Komponenten spielen eine Rolle, vor allem bei den sogenannten Keloiden, stark wuchernden Wulstnarben.

Wie entstehen Narben?

Bei einem aufgeschlagenen Knie, einer Schnittwunde oder Operation werden Haut- und Bindegewebszellen zerstört. Das setzt den körpereigenen Heilungsprozess in Gang: Fremdkörper und Keime werden ausgeschwemmt, Blutplättchen verschließen die Wunde. Unter dieser beginnenden Kruste wird das Gewebe mit Hilfe von Kollagenfasern wieder aufgebaut. Diesem sensibleren Narbengewebe fehlen die Talg- und Schweißdrüsen des Hautgewebes, die Pigmentierung und die Haarfollikel. Auch die neu gebildeten Kollagenfasern, die im Normalfall das Bindegewebe stützen, sind instabiler.

Überschießende, hypertrophe Narben

Hypertrophe Wulstnarben entstehen durch eine Überproduktion von Bindegewebsfasern, die sich über der ursprünglichen Verletzung wölben. Sie bilden sich häufig wieder von alleine innerhalb der ersten drei Jahre zurück. Pigmentzellen spielen bei der Bildung eine Rolle, daher sind dunkelhäutige Menschen und Körperstellen mit stärkerer Pigmentierung besonders davon betroffen. Typisch ist beispielsweise eine Kaiserschnittnarbe, da sie im stärker pigmentierten Schambereich liegt und zusätzlich Zug und Spannung auf das Gewebe wirken.

Starke Wulstnarben: Keloide

Keloide sind ebenfalls Wulstnarben, aber kommen wesentlich seltener vor als hypertrophe Narben. Sie wuchern über die ursprüngliche Verletzung hinaus und bilden sich nicht von alleine zurück. Keloide kommen in der Schwangerschaft und in der Pubertät häufiger vor, da die hormonellen Schwankungen ihre Entwicklung begünstigen. Im Alter treten sie etwas seltener auf. Je nach genetischer Komponente, je nach Hauttyp und Körperregion kann dabei aus einer klitzekleinen Mikroverletzung eine Narbengeschwulst von vier mal sechs Zentimetern wachsen. Vor allem Brust- und Schulterbereich sowie Ohrläppchen sind betroffen.

Vertiefte, atrophe Narben

Diese vertieften Narben entstehen, wenn zu wenig Bindegewebe darunter gebildet wird. Typisch dafür sind die schüsselförmigen, eingedellten Vertiefungen nach einer schweren Akne.

Ein medizinisches, kein kosmetisches Problem

Viele Narben sind kein rein ästhetisches Problem: Vor allem überschießende, wulstige Narben können zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen bei Gelenken sowie zu Verklebungen und einem andauernden Druckgefühl im Bauchraum führen. Verbrennungen können Entstellungen nach sich ziehen, so dass bei Patienten ein massiver Leidensdruck im alltäglichen Leben entsteht – genauso wie bei tiefen, verfärbten Akne-Narben im Gesicht, auf Hals, Nacken, Brust und Rücken.

Narben können außerdem durch Juckreiz, Brennen und Übersensibilität – völlig unabhängig von einer Gewebsstörung - einfach den Alltag unerträglich machen. Daher sind überschießende Narben wie Keloide und hypertrophe Narben aber auch großflächige Verbrennungen vor allem ein medizinisches Problem.

"In unserer sehr ästhetisch ausgerichteten Wohlstandsgesellschaft stellen allerdings inzwischen manche Narben, die früher als regelrechte Heilung bewertet worden wären, plötzlich ein massives kosmetisches Problem dar. Das ist natürlich subjektiv: Es kommt auf die Körperstelle an, vielleicht war auch die Entstehung mit einem traumatischen Erlebnis verknüpft."

Dr. Gerd Gauglitz


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