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Ausgebrannter Tesla Wie entsorgt man E-Autos nach einem Unfall?

E-Autos sollen die Zukunft der Mobilität sein. Doch die immer beliebter werdende Form der Mobilität bringt ganz eigene Probleme mit sich, wie ein Fall aus Österreich zeigt, wo der 600 kg schwere Akku eines Tesla nach einem Unfall zu brennen begann.

Von: Rolf Büllmann

Stand: 20.11.2019

ARCHIV - 08.08.2019, Düsseldorf: Ein Elektroauto wird in der Landeshauptstadt an einer Ladestation geladen. Hessens Immobilienverwalter fordern einfachere Regeln für Elektroauto-Ladesäulen in Privathäusern. Foto: Martin Gerten/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Martin Gerten

Anfang Oktober brannte in Tirol ein Tesla nach einem Unfall vollständig aus. Schon die Löscharbeiten stellte die Feuerwehr vor große Schwierigkeiten. Der Wagen musste schließlich in einen Spezialcontainer getaucht werden - ganze drei Tage lang! Nach fünf Wochen stehen die Überreste des Wagens jetzt immer noch auf dem Grundstück des Abschleppdienstes, denn keiner weiß, wie man E-Autos richtig entstorgt. Wir haben den Recylingexperten Roland Pomberger von der Universität Leoben in Österreich gefragt, wo das Problem liegt.

Warum ist es schwierig, beschädigte E-Auto-Akkus zu entsorgen?

Es gibt Recycling-Verfahren – aber nur für intakte Batterien, die man ausbauen kann. Bei einem Unfallauto, das noch dazu gebrannt hat, haben wir einen Zustand der Batterien, den man bisher nicht bedacht hat. Hier haben wir einen Sonderfall und für den haben wir derzeit keine wirklichen Lösungen. Da muss man sich die Frage stellen: Wer hat da ein bisschen geschlafen? Ich würde sagen, die Entsorgungswirtschaft und die Recycler waren es nicht. Ich bin eigentlich sehr froh, dass dieser Fall auftaucht, er zeigt uns auf, wo wir noch Defizite haben, mit denen wir uns intensiv beschäftigen müssen.

Muss die Politik strengere Regeln erlassen?

Die Politik hat schon agiert – es gibt nämlich in Europa die sogenannte Produzentenverantwortung. Am Ende eines Autolebens haben die Hersteller schon jetzt die Verpflichtung, eine gewisse Sammel- und Recyclingquote zu erreichen. Das funktioniert auch bei normalen Unfallautos, nur bei Elektroautos hat man sich damit noch nicht beschäftigt. Dieses Defizit muss man der Autoindustrie anrechnen.

"Dieses Problem wird zum Normalfall werden."

Roland Pomberger, Recyclingexperte

Betrifft dieses Problem nur Tesla?

Ich denke, dass es Tesla jetzt als erstes erwischt hat. Bei Tesla ist auch noch die Herausforderung, dass es nicht um eine einzelne Batterie geht, sondern das sind ja einige tausend Zellen, also Einzelbatterien. Aber im Prinzip hat diese Problem jedes Autounternehmen, das Elektroautos baut und verkauft. Dieses Problem wird zum Normalfall werden, bisher haben wir noch nicht so viele Elektroautos und es ist noch nicht so viel passiert, aber es werden laufend mehr. Deshalb appelliere ich an die Automobilindustrie, sich zusammen zu setzen mit der Entsorgungswirtschaft und auch der Metallrecyclingwirtschaft, dieses Problem anzugehen und gemeinsam Lösungen aufzubauen. Wir wissen einfach viele Dinge noch nicht, weil einfach noch keiner angeschaut hat.


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